Samstag, 16. Oktober 2004

"Single-Mütter sind keine guten Mütter": Buttiglione sorgt wieder für Aufregung

  • Designierter EU-Kommissar attackiert Medien
  • "Mütter-Vergleich war Anspielung auf EU und USA"

Italiens umstrittener designierter EU-Justiz- und Innenkommissar Rocco Buttiglione hat den Medien vorgeworfen, seine Ansichten über die Familie und allein erziehende Frauen verzerrt zu haben. Laut italienischen Medien hatte Buttiglione bei einer Konferenz im norditalienischen Saint Vincent gesagt: "Kinder, die nur eine Mutter und keinen Vater haben, sind Kinder einer nicht sehr guten Mutter." Seine Aussagen sorgten für Aufsehen. "Meine Worte sind total verzerrt und aus dem Kontext gerissen worden", protestierte Buttiglione.

"Ich kritisiere das Vorgehen bestimmter Medien, die Sätze mischen, so dass sich Aussagen ergeben, die nicht meine sind", betonte der gläubige Katholik. Er habe niemals allein erziehende Mütter kritisiert, mit denen er völlig solidarisch sei. "Es ist logisch, dass es für Kinder besser ist, wenn sie einen Vater und eine Mutter haben, doch Frauen, die ihren Nachwuchs alleine groß ziehen, haben meinen vollsten Respekt", betonte Buttiglione.

Die Berichte italienischer Medien über Buttigliones Äußerungen zu den Single-Müttern hatten in Rom für neue Aufregung gesorgt. "Ich kann nicht glauben, dass Buttiglione so etwas gesagt hat", meinte Frauenministerin Stefania Prestigiacomo im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera".

Der Ausschuss für Grundfreiheiten im EU-Parlament hatte den italienischen Christdemokraten abgelehnt, nachdem dieser bei der Anhörung vor den Europaabgeordneten Homosexualität als "Sünde" bezeichnet hatte. Kritik übten Sozialdemokraten, Liberale und Grüne auch an Buttigliones Haltung zur Frauen-, Familien- und Asylpolitik.

Mütter-Vergleich war Anspielung auf EU und USA
Buttiglione berichtete anschließend, dass er sich bei seinen umstrittenen Aussagen über Single-Mütter eigentlich auf die Beziehungen zwischen den USA und der EU auf Grund der Ansichten Robert Kagans, Ex-Berater des früheren amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan, bezogen hatte. Kagan hatte die USA als Kind von Mars und Europa als Venus-Kind bezeichnet.

"Kagans Analogie widerspiegelt die aggressivere Außenpolitik der USA im Vergleich zu Europa, die eher keine Gewalt anwenden will", meinte Buttiglione. "Gestern sagte ich, es wäre besser, wenn die EU und die USA zusammen bleiben, damit die Kinder (die Bürger der beiden Kontinente) eine Mutter und einen Vater haben", erklärte Buttiglione, Europaminister im Mitte-Rechts-Parlament der Regierung von Silvio Berlusconi. Die Medien hätten seine Aussagen aus den Kontext gerissen.

Buttiglione bestätigte, dass er die Leistungen der allein erziehenden Mütter voll schätze. Natürlich sei es jedoch besser, wenn ein Kind beide Elternteile habe, meinte Buttiglione, Vater von vier Töchtern.

(apa/red)

16.10.2004 19:29