Drogenboss von Rio erschossen: Polizei befürchtet Bandenkrieg
- Konkurrierende Bosse feierten Tod von Kontrahenten
Die brasilianische Polizei hat den mächtigsten Drogenhändlerboss von Rio de Janeiro erschossen. Der 35-jährige Irapuan David Lopes wurde nach Polizeiangaben am Mittwoch bei einer Schießerei in einem Slum der Metropole getötet. Andere Drogenbosse feierten den Tod ihres Konkurrenten mit Feuerwerk und Gewehrschüssen. "Als er starb, bat Lopes um die Hilfe Gottes", berichtete Kommissar Ricardo Hallak, der mit elf Elitebeamten an der Aktion teilnahm.
Lopes hatte den Angaben zufolge als Chef der berüchtigten Mafiabande "Amigos dos Amigos" (Freunde der Freunde) den Drogenhandel in mindestens elf der "Favela"-Slums Rios beherrscht und war einer der meistgesuchten Verbrecher Brasiliens. Seine Einnahmen beliefen sich nach amtlicher Schätzung auf Hunderttausende US-Dollar pro Woche. Nach seinem Tod befürchtet die Polizei einen Bandenkrieg um die Vorherrschaft im Kokain-Handel, da nun "in vielen Favelas ein Machtvakuum entstanden" sei. Mindestens drei große Mafiagruppen beherrschen den Drogenhandel in Rio. "Wir sind in höchstem Alarmzustand", erklärte Kommissar Ricardo Dias.
Lopes, der nur "Gangan" gerufen wurde, war einer der mächtigsten Verbrecher der Metropole. "Er hatte eine wahre Privatarmee zu seiner Verfügung", meinte die Gouverneurin des Landes Rio, Rosinha Matheus. Lopes galt unter anderem als Drahtzieher eines Anschlags mit Schusswaffen auf das Gebäude der Stadtverwaltung Rios, bei dem im Jahr 2002 die Fassade völlig zerstört wurde. Auf "Anordnung" der Drogenmafia blieben die Geschäfte vieler Slums im Norden Rios zum Zeichen der Trauer am Mittwoch geschlossen. (apa)
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