Nach Jahren diplomatischer "Eiszeit": Deutscher Kanzler reist nach Libyen!
- Schröder trifft mit Gaddafi zusammen
Als erster deutscher Regierungschef ist Bundeskanzler Gerhard Schröder am Donnerstagabend nach Libyen geflogen. Mit dem Besuch sollen die Beziehungen nach jahrzehntelanger Unterbrechung wieder normalisiert werden. Das nordafrikanische Land hatte in der Vergangenheit zahlreiche Terrorakte in Auftrag gegeben, sich davon aber kürzlich distanziert.
Schröder will nach der Ankunft in Tripolis noch am Abend mit Revolutionsführer Muammar el Gaddafi zu einem ersten Treffen zusammenkommen. Schröder ist auch der erste EU-Regierungschef, der Revolutionsführer Muammar el Gaddafi nach der zu Wochenanfang von der EU beschlossenen Aufhebung des Waffenembargos gegen Libyen trifft.
Der Kanzler wird zwei Mal mit dem faktischen Staatsoberhaupt zusammenkommen. Unmittelbar nach der Ankunft war eine Begegnung bei einem nächtlichen Bankett anlässlich des Beginns des islamischen Fastenmonats Ramadan geplant. Ein weiteres Gespräch mit Gaddafi in einem Zelt in der Nähe von Tripolis ist für Freitag vorgesehen.
Der Besuch Schröders war durch die "La Belle"-Einigung im August möglich geworden. Libyen hatte sich 18 Jahre nach dem Anschlag auf die Westberliner Diskothek "La Belle" verpflichtet, insgesamt knapp 29 Millionen Euro Entschädigung an die zum großen Teil deutschen Opfer zu zahlen. Bei dem Attentat waren zwei US-Soldaten und eine Türkin getötet sowie mehr als 200 Besucher verletzt worden.
Schröder will in Tripolis vor allem für den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen werben und die eingeleiteten Reformen in dem früher sozialistisch geprägten Land unterstützen. Er will weiter offensiv für eine Freilassung von fünf in Libyen zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern eintreten. (apa)
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