Mittwoch, 13. Oktober 2004

UNICEF-Osteuropa-Report 2004: Jedes dritte Kind in Osteuropa lebt in Armut

  • Wirtschaftsleistung vieler Staaten unter der von 1989

Armut, Drogen und Aids bedrohen Kinder und Jugendliche in Osteuropa und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten UNICEF-Osteuropa-Report 2004 hervor. Fünfzehn Jahre nach dem Fall der Mauer lebt in den meisten Staaten Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion jedes dritte Kind in Armut.

Allein in den neun Staaten der Region, für die Armutsdaten vorliegen, sind dies rund 14 Millionen Kinder. Trotz langsamer wirtschaftlicher Erholung liegt die Wirtschaftsleistung in vielen Staaten immer noch deutlich unter der von 1989. Trotz Wachstum hat die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren kaum zugenommen, sie sinkt in Ländern wie Litauen, Polen, Serbien und Montenegro sogar.

UNICEF warnt vor den dramatischen Folgen wachsender sozialer Gegensätze und dem gesellschaftlichen Ausschluss von Millionen benachteiligter Kinder. Ein Alarmsignal stellt laut UNICEF der massive Anstieg des Alkohol- und Drogenkonsums dar, der entscheidend zu der hohen Sterblichkeit in der Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren beiträgt. Verseuchte Injektionsnadeln und ungeschützter Geschlechtsverkehr haben zu einer Explosion der HIV-Infektionen geführt. Im vergangenen Jahr infizierten sich schätzungsweise 230.000 Menschen in der Region - 80 Prozent davon waren unter 30 Jahre alt.

Das Ausmaß an sozialem Stress durch Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven in vielen Familien spiegelt sich in dramatischen Scheidungsraten wider. In Russland beispielsweise werden 83 von 100 Ehen geschieden, heißt es im UNICEF-Osteuropa-Report. Eine vorherrschende Antwort auf Probleme in den Familien ist auch nach wie vor die Unterbringung der Kinder in staatlichen Einrichtungen. Über 700.000 Kinder leben in Heimen oder ähnlichen Einrichtungen, weil ihre Eltern sie nicht mehr versorgen können oder wollen. (apa)

13.10.2004 09:16