Dienstag, 12. Oktober 2004

Frankreichs Schulsystem soll reformiert werden: Schulpflicht ab fünf!

  • Expertenbericht empfiehlt mehr Lehrer-Anwesenheit
  • "Beherrschung des Englischen ist unentbehrlich"

Das französische Schulsystem soll ab dem Schuljahr 2006/2007 reformiert werden. Premierminister Jean-Pierre Raffarin kündigte am Dienstag eine Gesetzesvorlage seiner bürgerlichen Regierung für den Jahreswechsel an, die "Perspektiven für die kommenden 15 Jahre" bieten werde.

Zunächst werde Bildungsminister Francois Fillon mit den Lehrergewerkschaften über Inhalte der Reform diskutieren, sagte Raffarin bei der Entgegennahme eines lange erwarteten Expertenberichtes mit dem Titel "Pour la réussite de tous les élèves" ("Für den Erfolg aller Schüler").

Nach aufwändigen landesweiten Anhörungen mit 1,5 Millionen Teilnehmern empfiehlt die Expertenkommission unter anderem eine Schulpflicht ab fünf Jahren. Zudem soll verstärktes Augenmerk auf Grundfähigkeiten wie Schreiben, Lesen und Rechnen gerichtet werden. Als unentbehrlich für den "Bürger des 21. Jahrhunderts" listet der Bericht auch die Beherrschung des Englischen und den Umgang mit Computern auf. Von Lehrern wird mehr Anwesenheit in den Schulen erwartet. Die verschiedenen Formen der französischen Matura (baccalauréat) sollen noch stärker differenziert und dadurch aufgewertet werden.

Während die Regierungen in Paris und Berlin im Rahmen der deutsch-französischen Zusammenarbeit verstärkt auf die Beherrschung der Partnersprache setzen, kommt das Deutsche in dem 164 Seiten starken Bericht der Kommission überhaupt nicht vor. In dem Text heißt es lediglich, es sei zwar von Nutzen, mehrere "vor allem europäische Fremdsprachen" zu beherrschen. Die am weitesten verbreitete Sprache unter Europäern - und somit das Mittel der internationalen Kommunikation - sei aber nun einmal Englisch. Und das Bildungssystem müsse die Schüler darauf vorbereiten, sich innerhalb des "europäischen Politik- und Wirtschaftsraumes" zu bewegen. (apa)

12.10.2004 16:32