Montag, 11. Oktober 2004

Fischler zieht Bilanz: Österreich ist Hauptprofiteur der EU-Erweiterung

  • Europaskepsis in Österreich ist Besorgnis erregend
  • Ex-Agrarkommissar: "Die EU bringt Arbeitsplätze"

Die Österreicher sind nach Einschätzung des scheidenden EU-Kommissars Franz Fischler die Hauptprofiteure der EU- Erweiterung. Bereits wenige Monate nach der historischen Erweiterung um zehn Mitgliedsstaaten zeige sich ein "deutlicher Wohlstandseffekt" in Österreich.

Mit einem Anteil von zwei Prozent der Bevölkerung bestreiten die Österreicher neun Prozent des EU-Handels mit den neuen Mitgliedern, sagte Fischler am Montag in Wien in einer Bilanzpressekonferenz zu seiner zehnjährigen Tätigkeit als Agrarkommissar. Österreich sei "Drehscheibe Europas" zu diesen neuen Märkten.

Das Ausmaß der Europaskepsis in Österreich sei Besorgnis erregend, bedauerte der ÖVP-Politiker. Bei "allen Störfaktoren" - Fischler bezeichnete den Transit und die "unseligen Sanktionen" als "Negativa" - sei die "Europäisierung" Österreichs wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich eindeutig eine Erfolgsstory. Leider seien viele positive Effekte der EU-Mitgliedschaft schon zu selbstverständlich geworden.

Der österreichischen Wirtschaft bringe das Ja zu Europa ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 0,42 Prozent, das bedeute, dass das BIP im Jahr 2004 um sechs Milliarden Euro höher ausfallen werde als ohne EU-Beitritt. Mit der Wirtschaftsleistung sei seit dem EU-Beitritt auch die Beschäftigungsrate um 0,2 Prozent pro Jahr gestiegen. "Die EU bringt also Arbeitsplätze", betonte Fischler.

Die in Österreich geführte Debatte um den Status des Landes als Nettozahler bezeichnete Fischler als irreführend. Der gesamtwirtschaftliche Nettonutzen sei höher als die Differenz zwischen den Einzahlungen nach und den Rückflüssen aus Brüssel. (apa/red)

11.10.2004 13:27