Freitag, 8. Oktober 2004

Londoner Unternehmer möchte Mini-Hotelzimmer zu Riesenpreisen vermieten

  • Klein wie Gefängniszellen, luxuriös wie Jachtkabinen
  • Ideen aus dem Morgenland, Umsetzung im Abendland

Winzig wie eine Gefängniszelle, aber gemütlich wie die Kajüte einer Luxusjacht: So stellt sich ein Londoner Unternehmer das Hotelzimmer der Zukunft vor. Mit gerade mal zehn Quadratmeter großen fensterlosen Unterkünften für Reisende will Simon Woodroffe ab dem kommenden Jahr den völlig überteuerten Hotelmarkt der britischen Hauptstadt aufmischen. Jugendherbergscharme, aber zu gesalzenen Preisen:

Rund 70 Pfund (rund 100 Euro) soll die Übernachtung in den Häusern namens YOtel! inmitten der Innenstadt kosten.

Mini-Zimmerchen
Der Clou: Mit den Mini-Zimmerchen nach japanischem Vorbild können die Hotels nach Woodroffes Vorstellungen an bisher noch ungenutzten Orten entstehen, an denen die Grundstückspreise aber am höchsten sind: "Unser Konzept kann am Flughafen verwirklicht werden, unter einem Supermarktparkplatz, auf dem Dach eines Hauses oder sogar in einer Brücke", sagt der 53-jährige Self-Made-Mann und Liebling der britischen Medien. Ein erstes Vier-Sterne-Haus mit 200 Zimmern soll 2005 in der Londoner City die Tore öffnen.

Ideen aus dem Morgenland
Von Japan hat sich der ehemalige Veranstalter von Rockkonzerten bereits für andere Geschäftsideen inspirieren lassen. Seine 1997 gegründeten Restaurants namens YO! Sushi, in denen die japanischen Kaltfischgerichte vor den Augen der Kunden über Förderbänder laufen, sind inzwischen auch in Griechenland und Dubai erfolgreich. "Ich liebe es, Ideen aus dem Morgenland zu nehmen und sie auf das Abendland zuzuschneiden", sagt Woodroffe.

Flugzeug-Kabinen
Bei der Ausgestaltung seiner Mini-Hotelzimmer hat Woodroffe allerdings nicht an Jachtkabinen, sondern an Flugzeuge gedacht. "Seit ich einmal Businessklasse geflogen bin und diese Sessel gesehen habe, die sich in Betten verwandeln, habe ich die Erleuchtung gehabt: Derjenige, der diesen Sessel entworfen hat, soll auch mein Hotel entwerfen." Er ist fündig geworden: Ausgestalten soll die Zimmer das britische Designbüro Priestman Goode, das auch die Kabinen des Super-Airbus A380 entworfen hat.

Komfort
Trotz beschränkten Platzes sollen die Gäste laut Woodroffe auf Komfort nicht verzichten müssen. Der Lederbezug der Bett-Sessel, die Eichentäfelung der Zimmer und die in die Wände eingelassenen Plasma-Fernsehschirme wirken wie der Phantasie eines Playboys entsprungen. Auch Fans hochmoderner Sicherheitstechnik dürften in den Hotels auf ihre Kosten kommen: Die Türen öffnen sich mit dem zuvor an der Rezeption gespeicherten Fingerabdruck des Besuchers. (apa)

8.10.2004 14:14