Mittwoch, 6. Oktober 2004

Kabarett-Festspiele in Film und Fernsehen

  • Hochkonjunktur für Dorfer, Hader & Co

Alfred Dorfer als Qualitäts- und Quotenbringer im ORF. 85.000 Kinobesucher für Josef Haders „Silentium“. Premieren von Düringer bis Vitásek, von Steinhauer bis Händler – wer wann wo sein aktuelles Programm präsentiert.

Das jugendliche Publikum – nicht gerade vom politischen Furor gerammt wie anno 1968 – ist ein funktionierendes Barometer für kabarettistische Wirksamkeit. Im Audimax der Wiener Uni erhitzte sich die Stimmung rasch, als Alfred Dorfer vor Publikum die neuen „Donnerstalk“-Folgen aufzeichnete. Mit Florian Scheuba, dem kongenialen Partner, ging es gegen ORF und Regierung. Als wolle man gleich zur ersten Folge der neuen Staffel die Toleranzschwelle der schwarzen Macht ausreizen. Dorfers kabarettistische Wochenbetrachtung geht am 7. 10. erstmals nach der Sommerpause wieder auf Sendung. In den nächsten Sendungen sucht er politischen Ausgleich bei Hans-Peter Martin, der insuffizienten Opposition und George W. Bush. Ursula Haubner und Bruder Jörg verkörpern dann die Personalunion von Staatsgewalt und Anarchie.

Wenn es stimmt, dass die Satire in Krisenzeiten in der Blüte steht, steuern wir in diesem Herbst der Katastrophe entgegen: kaum einer aus der Fraktion der Querköpfe, der nicht ans Werk ginge.

  • Erwin Steinhauer und Rupert Henning lassen die – in den letzten Jahren bisweilen vermisste – politische Tradition des Genres hochleben. „Freundschaft“ thematisiert am Beispiel eines Vater-Sohn-Konflikts in sozialdemokratischem Haus „Ideologieverlust, Werteverlust und die Tatsache, dass sich vieles verwischt hat im Laufe der letzten Jahrzehnte“ (Henning). Für Steinhauer sind die aktuellen Reanimationsbemühungen der SPÖ „kabarettistisch. Das ist der Stoff, aus dem Programme sind.“ Freilich entstamme die Idee zu „Freundschaft“ aus dem Jahr 1997, als noch Vickerls Spin-Doktoren vergleichbare Paralyse verursachten wie heute Gusi, der Solist. Freude über die politische üble Zeit als Humus für das Kabarett? Henning: „Nein. Wir sind ja auch Staatsbürger. Da können wir uns
    nicht ununterbrochen freuen, weil alles ganz furchtbar ist und viel für ein neues Programm hergibt.“ Und Steinhauer: „Ideologieverlust ist prinzipiell nichts Positives. Parteien stehen für bestimmte Grundhaltungen. Und wenn die weltanschaulichen Grenzen sich aufweichen und es nur es nur noch darum geht, Stimmen zu gewinnen, hört sich alles auf.“

    Politikverdrossenheit nennt man das landläufig. Laut aktuellen Umfragen interessieren sich derzeit weniger als 40 Prozent der Wählerschaft für Politik. „Daher wird sie in den Programmen auch wieder weniger vorkommen“, prognostiziert Alfred Dorfer.

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    6.10.2004 15:55