Mittwoch, 6. Oktober 2004

Krenns Küng Kong

  • Der Paukenschlag des Papstes: Krenn muss gehen, konservativer Kurs bleibt

Krenns Schmachvolles Ende: Bis zuletzt weigerte er sich, nach dem Sexskandal als Bischof abzutreten. Wie der Papst Krenn zum Rücktritt zwang.
Bringt Küng ersehnte Wende? Vom Sexaffären-Visitator zum neuen Chef der Skandal-Diözese: Was prominente Katholiken von Bischof Küng erwarten.

Er war am Sonntag das Gesprächsthema. Wo ist er? Wird er kommen? Hunderte Zelebritäten – Habsburger aller Generationen – hatten Sehnsucht nach „ihm“. Indessen: Die „Beatificazione“ – die Seligsprechung des Dieners Gottes Karl von Österreich – fand ohne den „Bischof Kurt“ statt.

Was vom fast geschlossen anwesenden Erzhaus und den weit verzweigten Nebenlinien der Habsburger als Desavouierung, mehr noch: als schwere Beleidigung, empfunden wurde. Immerhin ist Seine Exzellenz Kurt Krenn der Präsident der „Gebetsliga für den Frieden in der Welt“, die jahrzehntelang die Seligsprechung des letzten österreichischen Kaisers vorantrieb. Selbstverständlich sollte „Bischof Kurt“ Kozelebrant am Altar des Papstes sein, und selbstverständlich war das der dezidierte Wunsch des Hauses Habsburg. Dass Kurt Krenn wenige Meter vor dem Ziel das Handtuch wirft, ja dass ihm sogar die Nichtteilnahme an dieser vatikanischen Hochfeier anempfohlen wurde, erregte Adelige und angereiste Karl-Adoranten.

Scheingefecht. Kurt Krenns Rücktritt steht seit einem Monat fest. Kardinal Giovanni Battista Ré, Präfekt der vatikanischen Bischofskongregation, hatte dem St. Pöltener Diözesanbischof schon im September – Krenn wurde zu diesem Zweck extra nach Rom befohlen – den Wunsch des Papstes nach einem Resignationsschreiben „aus Gesundheitsgründen“ überbracht. Gleichzeitig wurde St.-Pölten-Visitator Klaus Küng gebeten, „aus nahe liegenden Gründen und in Kenntnis der Verhältnisse“ nach Niederösterreich zu übersiedeln. Krenn bekam vom Vatikan vier Wochen Zeit, den Rücktritt zu formulieren. Und damit Krenn nicht wieder – wie schon so oft – seine Interventionsmaschinerie in Bewegung setzt, ließ die Kurie die bevorstehende Resignation vorzeitig via kathpress in die Öffentlichkeit sickern.

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PLUS: Ein schwer kranker Papst und ein unseliger Seliger

6.10.2004 15:40