Samstag, 9. Oktober 2004

Streit bei Autobauer Opel spitzt sich zu: Droht der Abbau von 7.000 Stellen?

  • Betriebsrat Klaus Franz: "Marke Opel wird zerstört"
  • Über Werkschließungen wird noch beraten

Der Streit um die Sanierung des verlustreichen Autobauers Opel spitzt sich zu. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz richtet scharfe Worte an den amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM): Die Marke Opel werde zerstört. GM-Europachef Fritz Henderson bezeichnete den Zustand des Unternehmens als "völlig inakzeptabel" und forderte ultimativ schwarze Zahlen bereits im kommenden Jahr. Bei Opel könnten durch Sanierungsmaßnahmen bis zu 7.000 Stellen in Deutschland wegfallen und in ganz Europa 12.000.

Er könne nicht mehr mitansehen, wie ein gutes Unternehmen mit tollen Produkten von den eigenen Leuten mit Sparvorschlägen und Kritik in den Schmutz getreten werde, sagte Franz. In den vergangenen Tagen hatten GM-Spitzenmanager wiederholt die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte kritisiert. Auch das Opel-Stammwerk in Rüsselsheim ist in Frage gestellt.

Henderson legte im Branchenblatt "Automobilwoche" nochmal nach: Das Unternehmen habe sehr hohe Überkapazitäten und Stückkosten. Da der Sanierungsplan noch nicht ausgearbeitet sei, stehe noch nicht fest, ob nur die Kosten reduziert werden müssten, oder auch die Kapazitäten. Die Änderungen müssten sehr schnell eingeleitet werden, da sonst ein positives Ergebnis 2005 nicht mehr zu erzielen wäre. Nach Informationen des Blatts soll der Ausstieg Opels aus der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft DTM bereits beschlossene Sache sein. Auch solle die Adam Opel AG in eine GmbH umgewandelt werden, hieß es.

"Der Spiegel" berichtet in seiner neuen Ausgabe, General Motors wolle am Donnerstag den Sanierungsplan vorstellen. Dieser sehe den Abbau von 12.000 Stellen in Europa vor. Bisher war von bis zu 10.000 der insgesamt 62.000 Arbeitsplätze die Rede gewesen. Der Konzern drohe, die Produktion in Rüsselsheim oder im Saab-Werk im schwedischen Trollhättan zu schließen.

Das Rüsselsheimer Werk beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter. Davon arbeitet etwa die Hälfte im internationalen Entwicklungszentrum. Dieses ist nach Informationen der "WirtschaftsWoche" (Online-Ausgabe www.wiwo.de) am stärksten von dem Stellenabbau betroffen.

Franz forderte die Geschäftsleitung zu Verhandlungen auf. "Wir wollen an den Verhandlungstisch und werden beweisen, dass unsere Mitbestimmung effizienter ist als die Hau-Ruck-Methode der Amerikaner." Die Regierung solle Druck auf GM ausüben, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ein amerikanischer Konzern kann nicht mit uns umspringen wie Präsident Bush mit der deutschen Regierung im Irak-Krieg." Um Arbeitsplätze zu sichern, werde die Belegschaft Opfer bringen, kündigte Franz an: "Wir sind zu fundamentalen Zugeständnissen bereit."

(apa)

9.10.2004 21:17