Donnerstag, 7. Oktober 2004

Studie: Österreich Top-Wirtschaftsstandort - Deutschland auf dem letzten Platz!

  • Positiv: Niedrige Arbeitslosenzahlen
  • Negativ: Hohe Einkommensbesteuerung

Positive Bilanz für Österreich als Wirtschaftsstandort. Die geringe Arbeitslosenrate mit 4,4 Prozent ist "sehr, sehr gut", so Thorsten Hellmann von der Bertelsmann Stiftung. Weniger günstig sieht die Arbeitsmarktperformance unseres Nachbarn Deutschland aus: ungenügend! Wachstumsentwicklung: mangelhaft. Deutschland als Europas größte Volkswirtschaft liegt im "Internationalen Standort-Ranking" der Bertelsmann Stiftung nur auf dem letzten Platz von 21 Industrienationen .

Lob für Österreich. Hellman bestätigt, dass unsere guten Arbeitslosenbilanz keine Eintagsfliege ist und von 1986 bis jetzt nie über 5,5 Prozent geklettert sei. Nur beim Erwerbstätigenzuwachs fehle es Österreich seit 2000 an Dynamik. "Österreich liegt auf jeden Fall besser als sein nördlicher Nachbar", meint Hellmann.

Plus: Weniger Langzeitarbeitslose
Positiv sei in Österreich, dass Arbeitslose wieder schnell einen Job bekommen, dass es wenig Langzeitarbeitslose und eine geringe Jugendarbeitslosigkeit gebe. Der Kündigungsschutz sei geradezu vorbildlich geregelt, außerdem würdigt die Studie die Lohnzurückhaltung.

Minus: Steigende Staatsverschuldung
Negativ sei aufgefallen, dass die Staatsverschuldung Österreichs deutlich gestiegen sei und die Staatsquote nach wie vor sehr hoch sei. Problematisch sei, dass die Kürzung der Staatsquote nicht über die Ausgabenseite erfolge, sondern durch sehr hohe Einkommensbesteuerung. Das sei wachstumshemmend.

Deutschland, Italien und Frankreich treten auf der Stelle
"Deutschland muss seine Reformbemühungen deutlich verstärken, um nicht langfristig den Anschluss zu verlieren", lautet das Fazit. "Nicht nur in den Ländern mit traditionell hohem Einkommen wie den USA und der Schweiz wird mehr Inlandsprodukt pro Kopf erwirtschaftet. Auch Belgien, Dänemark oder die Niederlande konnten Deutschland mittlerweile klar distanzieren", kommentierte der Präsidiumsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Professor Heribert Meffert, die Ergebnisse der Studie.

Ranking im Detail
Spitzenreiter im aktuellen Ranking der 21 wichtigsten Industrienationen, das alle zwei Jahre vorgelegt wird, ist Irland. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen die USA, Australien, Norwegen und Neuseeland.

Im Mittelfeld liegen auf den Rängen 6 bis 15 die Niederlande, Österreich, Großbritannien, Dänemark, Kanada, Schweden, Schweiz, Japan, Griechenland und Belgien.

Die Schlussgruppe führt Portugal auf Rang 16 an, dahinter folgen Finnland, Spanien, Italien, Frankreich und - mit einigem Abstand - Deutschland. Damit setze sich ein seit 1991 anhaltender Abstieg fort, bilanzierte Meffert. "Seit dem Jahr 2000 herrscht in Deutschland absolute Flaute bei Wachstum und Beschäftigung."
(apa/red)

7.10.2004 11:34