Klare Absage an ThyssenKrupp: voestalpine gegen einen Zusammenschluss
- Bei Fusion würde Voest die Zerschlagung drohen
- "Das ist eine ziemlich fantasielose Spekulation"
Österreichs größter Stahlkonzern voestalpine zieht einen Schlussstrich unter hartnäckige Spekulationen: Für die Voest kommt ein Zusammenschluss mit der Stahlsparte des deutschen Mischkonzerns ThyssenKrupp nicht in Frage. "Aus unserer Sicht ist das eine ziemlich fantasielose Spekulation", sagte ein Voest-Sprecher. Mit Hinweis auf die Kernaktionärsstruktur und die Konzernstrategie hielt er fest: "Wir fühlen uns so weit abgesichert, dass wir diese Spekulation nicht weiter kommentieren wollen."
ThyssenKrupp ist auf der Suche nach einem europäischen Fusionspartner im Stahlgeschäft. Die Deutschen haben dabei vorrangig den britisch-niederländischen Corus-Konzern im Auge, berichtet Reuters unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise.
In der zweiten Wahl stehe die österreichische voestalpine, wie es in der Branche heißt. Der Voest-Sprecher sagte dazu: "Für uns würde eine Fusion keinen Sinn machen." Die Linzer sind in den Geschäftsfeldern Stahl, Autozulieferung, Bahnsysteme und Profile tätig. Bahnsysteme und Profile würden nicht zu ThyssenKrupp Steel passen, so der Sprecher.
Von Analysten wird bestätigt, dass bei einer Fusion die Zerschlagung der voestalpine droht. Eine solche war schon im Vorjahr bei der Voest-Privatisierung im Zusammenhang mit den durch politischen Druck zu Fall gebrachten Übernahmeplänen des Autozulieferkonzerns Magna befürchtet worden.
Im Zuge der Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie sei ein Zusammengehen mit Corus eine von mehreren Optionen, die sein Unternehmen diskutiere, zitiert die "Financial Times" (Mittwochausgabe) den Stahlchef von ThyssenKrupp, Ulrich Middelmann. Es gebe aber noch keine formalen Gespräche, weder mit Corus noch mit anderen Unternehmen. Auch Corus bestätigte heute, noch keine Kontakte mit ThyssenKrupp zu dem Thema gehabt zu haben.
Aus einer Fusion der ThyssenKrupp-Stahlsparte mit Corus würde der weltweit drittgrößte Stahlhersteller hervorgehen - nach der in den Niederlanden ansässigen LNM Holdings und Branchenprimus Arcelor mit Sitz in Luxemburg. Corus war im Jahr 1999 aus den Stahlfirmen British Steel und Hoogovens entstanden und hatte jüngst nach mehreren schwierigen Jahren wieder die Gewinnschwelle überschritten. Der Konzern ist zurzeit die Nummer 9 auf dem internationalen Stahlmarkt, ThyssenKrupp die Nummer 10.
(apa/red)
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