Mittwoch, 6. Oktober 2004

Ex-DaimlerChrysler-Vorstand Wolfgang Bernhard wechselt zu Volkswagen

  • Wird Vorstand ohne Geschäftsbereiche
  • Bernhard gilt als Kosten- und Produktivitätsfachmann

Der frühere DaimlerChrysler-Manager Wolfgang Bernhard wechselt Anfang 2005 zu Europas größtem Autokonzern Volkswagen. Der 44-jährige Bernhard werde zunächst Vorstandsmitglied ohne Geschäftsbereich und solle spätestens am 1. Jänner 2006 im Konzernvorstand den Vorsitz der Marke Volkswagen übernehmen, teilte VW am Mittwoch in Wolfsburg mit und bestätigte damit einen früheren Bericht. Bernhard gilt als Sanierungsexperte. Er war im Mai überraschend als Nachfolger von Mercedes-Chef Jürgen Hubbert abberufen worden. Zuvor hatte er sich als "zweiter Mann" hinter Chrysler-Chef Dieter Zetsche einen Namen als harter Sanierer der amerikanischen Daimler-Tochter gemacht.

Kürzlich hatte Konzernchef Bernd Pischetsrieder in einem Zeitungsinterview gesagt, er habe mehrere Gespräche mit Bernhard geführt. Der müsse sich aber erst klar darüber werden, ob er überhaupt nach Europa zurückkommen wolle. VW müssen seinerseits klären, "was seine Aufgabe dann wäre", hatte Pischetsrieder hinzugefügt.

Bei Volkswagen könnte Bernhard die Verantwortung für die Markengruppe VW übernehmen, die nach Fehlern in der Modellpolitik der Vergangenheit besonders unter der aktuellen Nachfrageschwäche am Heimatmarkt des Konzerns leidet. Bisher leitet Pischetsrieder diesen Bereich neben seinen Aufgaben als Konzernchef mit. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur und promovierte Volkswirt Bernhard gilt als als Kosten- und Produktivitätsfachmann - beides sind Aspekte, in denen das von Pischetsrieder eingeleitete Sparprogramm "ForMotion" nach Einschätzung von Branchenexperten noch Nachholbedarf hat.

VW muss sparen
Der unter massivem Gewinnrückgang leidende Konzern überprüft derzeit seine Strukturen und will bis Ende 2005 mehrere Milliarden Euro an Kosten einsparen. Gleichzeitig führt Europas größer Autohersteller Tarifverhandlungen für die westdeutschen Werke und will dabei die Weichen für Einsparungen bei den Arbeitskosten um 30 Prozent stellen.

Bernhard war im Mai überraschend als Nachfolger von Mercedes-Chef Jürgen Hubbert abberufen worden. Zuvor hatte er sich als "zweiter Mann" hinter Chrysler-Chef Dieter Zetsche einen Namen als harter Sanierer der amerikanischen Daimler-Tochter gemacht. Bernhard hatte sich noch vor seinem geplanten Amtsantritt im Mai mit Hubbert und dem Betriebsrat überworfen und war deshalb umgehend abberufen worden.

An der Börse wurde der Wechsel positiv aufgenommen. Die im Deutschen Aktienindex (Dax) notierte VW-Aktie legte am Mittwoch in einem freundlichen Umfeld um fast drei Prozent auf 32,80 Euro zu. "Dass VW Bernhard bekommt, kann nicht schlecht sein. Bernhard ist bekannt als jemand, der recht rigoros durchgreift und die Kosten drückt", sagte Lars Ziehn, Analyst bei der West LB.
(apa)

6.10.2004 13:23