Dienstag, 5. Oktober 2004

Künftiger Generali-Vienna-Chef Stoss: Bereit für Käufe in Österreich und im Osten

  • "Quantensprünge" nur über Akquisitionen möglich
  • Banken: BA-CA, Bawag/P.S.K. und Hypos sind im Visier

Bereit für Akquisitionen im osteuropäischen Ausland, aber auch in Österreich, ist der künftige Generali-Vienna-Chef Karl Stoss (47), der Anfang Oktober von der RZB zum Versicherungskonzern gewechselt ist und im Jänner von Dietrich Karner (65) den Chefsessel übernimmt. Am dicht besetzten inländischen Markt sei ein Ausbau der Position aus eigener Kraft schwierig und "Quantensprünge" nur über Zukäufe möglich, sagte Stoss. Denkbar sei etwa der Erwerb einer heimischen Tochter einer ausländischen Assekuranz, sollte sich diese zurückziehen. Aktuell stehe dazu aber nichts an.

Im CEE-Raum, wo die Wiener Gruppe für die Triester Konzern-Mutter tätig ist, stünden für neue Markt-Eintritte nach den derzeit sieben betreuten Ländern als nächstes Serbien und Bulgarien auf der Prioritäten-Liste, doch werde dies eventuell erst kommendes Jahr entschieden. Ein Wachstum über Zukäufe kann sich Stoss in Polen, Rumänien und Kroatien vorstellen: "Wenn sich etwas anbietet, werden wir uns genau ansehen, ob es dazu passt." In Ungarn, Tschechien und der Slowakei sieht man solche Chancen nicht mehr. Ab 2005 will Generali fast überall im Osten in den schwarzen Zahlen sein, lediglich Slowenien und Kroatien haben bis 2006 bzw. 2009 Zeit.

"In Banken-Kanal hineinkommen"
Im Inland nimmt sich der künftige Generali-Holding-Vienna-Chef die Verteidigung der bestehenden Marktanteile vor - in Summe zirka 14 1/2 Prozent -, und er will weitere Kraftanstrengungen im Vertrieb setzen. Neben einer stärkeren Konzentration auf Makler und Agenturen betrifft dies auch die Banken-Schiene. Obwohl man hier etwa mit 3-Banken und den Hypo-Beteiligungen in Oberösterreich und Salzburg ein "sehr gutes Fundament" gelegt habe, könnte Generali "vielleicht auch noch in den einen oder anderen Banken-Kanal hineinkommen".

Ex-Banker analysiert die Lage genau
Dies könnten zum Beispiel die BA-CA oder die Bawag/P.S.K. sein, sagt Stoss, obwohl beide in aufrechten Kooperationen stehen - mit Wiener Städtischer bzw. Allianz. Allerdings sei zwischen Städtischer und Bank Austria Creditanstalt "die Liebe etwas abgekühlt", konstatiert der bisherige Raiffeisen-Zentralbanker, der davor unter anderem bis 2001 vier Jahre lang Vizechef der Postsparkasse war. Die kürzlich kommunizierte Absicht der BA-CA, "100.000 zusätzliche Privatkunden" gewinnen zu wollen, ist Stoss jedenfalls positiv aufgefallen.

Hypo Tirol ist "persönlich interessant"
Auch die HypoTirol würde den neuen Generali-Mann "persönlich sehr interessieren", dort müsse eine Beteiligung jedoch nicht - wie bei den Hypos in Oberösterreich und Salzburg - über eine gemeinsame Dachholding mit Raiffeisen erfolgen, sondern sei auch ganz normal direkt denkbar. Auch andere Hypos seien "sehr stark", etwa die steirische mit der dortigen RLB oder jene aus Vorarlberg, an der die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Anteile hält.

Kein "verkrampftes Suchen nach Kooperationen"
"Sollte sich eine Option auftun, werde ich nicht wegschauen", sagt Stoss zur Frage neuer Banken-Vertriebs-Partner, "sondern den Ball aufnehmen. Ich kann mit allen sehr gut. Es bräuchte dann nur fundierter, vertiefter Gespräche." Dies dürfe jedoch "nicht als ein verkrampftes Suchen nach Kooperationen" aufgefasst werden. Speziell bei Personenversicherungen, namentlich Vorsorge-Polizzen, sei eine solche Schiene allerdings besonders attraktiv, wie auch die Erfolge der reinen Bankenversicherer nahe legen.

Zusammenarbeit und Allianzen
Dabei sollte man wie im Bankenbereich auch "viel stärker über übergreifende Allianzen nachdenken", etwa Kooperationen mit Regionalversicherern im Underwriting oder im Rückversicherungsgeschäft: "Die Banken sind uns hier etwas voraus durch ihren früheren Wettbewerbsdruck." Die Landesinstitute, vielfach Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, sollten dabei aber nicht Angst vor einer drohenden Übernahme bekommen: "Hier geht es nicht um Beteiligungen, sondern um Zusammenarbeit." (apa)

5.10.2004 11:07