Montag, 4. Oktober 2004

Alitalia: Nun wird über Sozialmaßnahmen für das gekündigte Personal verhandelt

  • Streit zwischen Gewerkschaften und Regierung
  • Airline erhält von Regierung einen Überbrückungskredit

Die Regierung Berlusconi verhandelt mit den Gewerkschaften über soziale Maßnahmen zur Unterstützung der rund 3.700 Arbeitnehmer der krisengeschüttelten Alitalia, die im Zuge eines strengen Rettungsplans Stellen wegrationalisiert. Die Regierung will dem gekündigten Alitalia-Personal im ersten Jahr eine monatliche Unterstützung von 900 Euro brutto gewähren, wie es bereit für die Arbeitnehmer der Autogruppe Fiat der Fall gewesen war. Die Gewerkschaften fordern jedoch einen höheren Beitrag, da die Alitalia-Belegschaft besser als das Fiat-Personal bezahlt wird.

Die Verhandlungen um das Alitalia-Rettungsprogramms ist inzwischen in die Endphase getreten. Bei einem Treffen von Vertretern des Unternehmens, der Regierung und der Gewerkschaften, das am Nachmittag um 15 Uhr beginnt, soll der Plan endgültig unterzeichnet werden. Der Sanierungsplan soll Alitalia 2006 wieder schwarze Zahlen bringen. Er sieht unter anderem die Einsparung von 280 Mio. Euro innerhalb von vier Jahren vor. Alitalia hat in den vergangenen fünf Jahren operative Verluste geschrieben und war auch im ersten Halbjahr 2004 mit einem Minus von 329 Mio. Euro nicht aus den roten Zahlen heraus gekommen.

400 Millionen Euro-Kredit von der Regierung
Am Mittwoch ist eine Aufsichtsratsitzung der Fluggesellschaft geplant, bei der die Halbjahres-Ergebnisse überprüft werden sollen. Danach soll die Fluggesellschaft von der Regierung einen Überbrückungskredit im Wert von 400 Millionen Euro erhalten. Die Summe soll der Bewältigung einer schweren Liquiditätskrise bei Alitalia dienen.

750 Millionen Euro Kapitalspritze
Der römische Ministerrat hat indes beschlossen, der Airline im Rahmen des Haushaltsgesetzes 2005 rund 750 Mio. Euro im Zuge einer Kapitalerhöhung zur Verfügung zu stellen. Die Summe soll auch zur Finanzierung des Pakets mit sozialen Maßnahmen für den Stellenabbau genutzt werden.

Am Freitag wurden außerdem die Ticketpreise auf den Alitalia-Inlandsflügen erhöht. Der Kerosinzuschlag wurde um 4 Euro auf 20 Euro pro Strecke erhöht. Die Maßnahme wurde mit den steigenden Treibstoffpreisen begründet, werde jedoch weder internationale noch interkontinentale Flüge betreffen, hieß es. Seit Jahresbeginn war der Treibstoffzuschlag bereits einmal um 4 Euro erhöht worden. (apa)

4.10.2004 10:59