Samstag, 9. Oktober 2004

Österreich-Legionäre Radoslav Gilewicz und Jerzy Brzeczek zittern mit Polen

  • "Radogoal" sieht "ganz leichte Vorteile" für seine Heimat
  • Wacker Tirols Brzeczek: "Chancen stehen 50:50"

Mit Radoslav Gilewicz und Jerzy Brzeczek fiebern auch zwei polnische Österreich-Legionäre dem heutigen WM-Qualifikationsschlager (20:45 Uhr/live auf networld.at) im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion entgegen. Der derzeitige Austria-Reservist Gilewicz sieht "ganz leichte Vorteile für Polen", Wacker-Tirol-Spielmacher Brzeczek wagt keine Prognose. "Die Chancen stehen 50:50."

Für "Radogoal" Gilewicz steht die Partie auch im Zeichen einer Wette mit seinem Vereinskollegen Michael Wagner. Gewinnt Polen, muss Wagner die polnische Hymne lernen und singen, siegt das ÖFB-Team, wird Gilewicz das Gleiche mit der österreichischen Hymne tun. "Die Wette gilt, langsam bedauere ich es aber, denn es kommen schlechte Nachrichten aus Polen. Es gibt viele Ausfälle", so der 33-Jährige, der allerdings schon viele Jahre in Österreich lebt und daher sprachlich gegenüber seinem Wettpartner beträchtlich im Vorteil ist.

Torhüter und Angriff sprechen für die Polen
Beim Vergleich beider Teams sieht Gilewicz ein Plus für Polen im Tor ("Dudek ist Stammtorhüter bei Liverpool und hat jahrelange internationale Erfahrung") und im Angriff ("da gibt es mit Zurawski einen überragenden Mann, er könnte im Winter Wisla Krakau Richtung Spanien oder England verlassen"). Dafür sei das ÖFB-Team in der Abwehr ("Krankl spielt mit dem gleichen Abwehrblock, der sehr eingespielt ist") und im Mittelfeld ("Kühbauer und Aufhauser sind zentral sehr gut. Polen hat unerfahrene Leute, aber 'Geheimwaffe' Krzynowek. Er wird sehr bald zur absoluten Weltklasse gehören") stärker einzuschätzen.

Der Ex-FC Tirol-Torjäger sieht insgesamt ganz leichte Vorteile für Polen: "Wir tun uns auswärts leichter als zu Hause. Österreich muss das Spiel machen, damit habt ihr Probleme". Gilewicz kommt zum Spiel in den Prater und kündigt seine Unterstützung für seine Landsleute an: "Ich werde ganz laut die polnische Hymne singen und Polen die Daumen drücken."

Comeback von Rado unwahrscheinlich
An ein Team-Comeback ("Dudek und Hajto sind dort meine besten Freunde, mit den beiden stehe ich in ständigem Kontakt") denkt der Routinier nicht, aber "wenn man das Beispiel Ivo Vastic sieht, darf man niemals nie sagen."

Im Gegensatz zu seinem ehemaligen Tirol-Kollegen hat Brzeczek eine Rückkehr in die polnische Auswahl abgehakt. "Daran verschwende ich keine Gedanken mehr. Die Zeit ist vorbei, es gibt viele gute junge Spieler", sagte der 33-Jährige, der mit Ausnahme eines eineinhalbjährigen Gastspiels bei Maccabi Haifa seit Sommer 1995 in der österreichischen Bundesliga engagiert ist.

Brzeczek 1994 mit dabei
Der Mittelfeldspieler wird voraussichtlich nicht nach Wien reisen, sondern den Polen vor dem Fernseher die Daumen drücken. "In diesem Spiel geht es für beide Mannschaften um sehr viel. Für den Gewinner ist der zweite Platz sehr realistisch", glaubt der Regisseur schon an eine gewisse Vorentscheidung. Er hatte beim 3:4 gegen Österreich in Kattowitz 1994 (drei Tore von Peter Stöger) das 2:2 für die Gastgeber erzielt.

Österreich mit Selbstvertrauen
Für Brzeczek ist jeder Ausgang möglich. "Es gibt keinen Favoriten. Die Tagesverfassung und das Glück werden entscheiden", prophezeite der Wahl-Tiroler, der seinen Landsleuten einiges zutraut. "Polen ist im Kollektiv stark. Wenn jeder Einzelne seine Leistung bringt, können wir fast jeden schlagen." Dennoch sei die Krankl-Elf auf keinen Fall zu unterschätzen. "Die Österreicher sind gefährlich, weil sie durch das Unentschieden gegen England und den Sieg gegen Aserbaidschan viel Selbstvertrauen getankt haben."

Der Druck liege freilich auf der ÖFB-Truppe. "Polen nützt ein Remis in diesem Spiel sicher mehr als Österreich", vermutet Brzeczek, der 1999 zum letzten Mal für sein Land gespielt hat. (apa)

9.10.2004 09:55