Freitag, 8. Oktober 2004

Formel-1-Einstieg im Jahr 2006: Dallara baut für die Midland Group Rennautos

  • Handels- und Investmentfirma gibt Einstieg bekannt
  • Kultur-Einfluss: Team mit "russischem Beigeschmack"

Die Midland Group, eine internationale Handels- und Investmentfirma in Privatbesitz, ist jenes Unternehmen, für das die italienische Rennwagen-Schmiede Dallara einen Formel-1-Boliden für den WM-Einstieg 2006 bauen wird. Die Midland Group gab am Freitag offiziell bekannt, dass sie 2006 unter dem Namen Midland F1 in die Königsklasse des Motorsports einsteigen wird.

Alexander Shnaider, 36, Mitgründer und Chairman von Midland, sagte über die Gründe der Gruppe, sich an der Formel 1 zu beteiligen: "Für ein weltweit agierendes Geschäftskonglomerat ist die Suche nach einer globalen Kommunikationsplattform etwas ganz selbstverständliches. Unsere Recherche der Berichterstattung über verschiedene Sportarten zeigt, dass nur drei Veranstaltungen unseren Kriterien für internationalen Einsatz entsprechen: Die Olympischen Spiele, die Fußball-WM und die Formel 1. Da die anderen beiden nur alle vier Jahre stattfinden, war die Formel 1 die natürliche Auswahl."

Kauf von Jaguar ebenfalls im Raum gestanden
Die Midland Group hatte eine Übernahme des zum Verkauf stehenden Jaguar-Teams überlegt, sich aber schließlich dann doch entschlossen, mit Hilfe von Dallara ein komplett neues Team aufzubauen. "Die Midland Group ist eine Kapitalanlagefirma, und durch die Gründung eines neuen Teams schaffen wir gleichzeitig neue Werte", betonte Shnaider, der seine Pläne bereits ausführlich mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone diskutiert hat und vom Briten auch unterstützt wird.

Mittelfristig soll russischer Fahrer kommen
Auf die Frage, ob sein russisches Kulturerbe - Shnaider wurde in St. Petersburg geboren, zog aber bereits als Kind in den Westen und ist heute kanadischer Staatsbürger - Einfluss auf die Kultur des Teams haben würde, sagte er: "Natürlich wird das Team einen russischen Beigeschmack haben, und mittelfristig hoffen wir auch, einen russischen Fahrer in die Formel 1 zu bringen. Midland ist in Russland und der ehemaligen Gemeinschaft Unabhängiger Staaten tief verwurzelt, und wir sind sicher, dass über die Formel 1 beidseitig nutzbringende Beziehungen und Geschäfte etabliert werden können. Die meisten internationalen Unternehmen sind dabei, zu erkennen, dass sie auf diesen Märkten präsent sein müssen."

Zum Thema eines russischen Grand Prix meint Shnaider: "Russland würde durch die Veranstaltung eines Formel-1-Rennens viel positive Aufmerksamkeit erlangen, und es wäre mir eine große Freude, hierzu beitragen zu können."

Keine Angst vor horrenden kosten
In Bezug auf den erheblichen Kostenfaktor der Formel 1 - ein Grund, der den zweitgrößten Automobilhersteller Ford zum Rückzug seines Teams bewegt hat - gibt er sich dagegen unbeeindruckt: "Midland ist bereit, die Entwicklung des Teams komplett selbst zu finanzieren, aber unsere einzigartige Stellung wird uns helfen, Sponsoren zu gewinnen."

Shnaider zeigt jedoch keine Ambitionen, das Team selbst zu leiten. "Ich werde an der Erstellung des Teams aktiv teilhaben. Sobald es aber etabliert ist, werde ich die Führung an einen Teamleiter abtreten", betonte der Vorstandsdirektor der 1994 gegründeten Midland Group, die als dynamische, innovative Gruppe in unterschiedlichen Branchen wie z.B. Commodity-Handel, Stahlherstellung, Transport, dem Baugewerbe und der Landwirtschaft aktiv ist.

Unternehmen im Besitz von Midland und ihren Partnern haben weltweit über 50.000 Mitarbeiter mit Niederlassungen und Vertretern in 34 Ländern. Das prestigeträchtigste aktuelle Projekt Midlands ist ein beeindruckendes, hochmodernes und superluxuriöses Fünf-Sterne-Hotel samt Wohnkomplex im Geschäftsviertel von Toronto, das in Zusammenarbeit mit der Trump Organization erbaut wird. (apa)

8.10.2004 12:36
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts