Freitag, 8. Oktober 2004

Schwimmen: Mirna Jukic legte mit dem Final-Einzug gute Basis für Hauptstrecken

  • Österreicherin im Brust-Sprint erstmals in WM-Finale
  • Kämpfer Sandeno: Drei Titel trotz Gehirnerschütterung

Europameisterin Mirna Jukic hat einen optimalen Start in die Schwimm-Kurzbahn-Weltmeisterschaften erwischt. Mit ihrem fünften Halbfinal-Platz über 50 m Brust zog die 18-Jährige in ihr erstes WM-Finale auf dieser Distanz ein und legte damit eine gute Basis für ihre Auftritte über 100 und 200 m Brust. Die internationalen Schlagzeilen schrieben an diesem ersten Wettkampftag wie erwartet die US-Amerikaner, das Gastgeber-Team entschied alle fünf Entscheidungen der ersten Abend-Session für sich.

Eine Medaille im Brust-Sprint schien für Jukic im für die Nacht auf Samstag (ab 2:00 Uhr MESZ) angesetzten Endlauf kaum möglich, doch dieses Ziel hatte sie sich vor dem WM-Auftakt auch erst gar nicht gesteckt. "Es ist schon sehr schön, im Finale zu stehen. Der fünfte Platz wäre sehr gut, aber über 50 m hängt viel von der Tagesform ab", meinte die Wienerin, nachdem sie in der Vorschlussrunde wie schon im Vorlauf in 31,55 Sekunden angeschlagen hatte. Damit blieb sie 32/100 über ihrer Bestmarke und 39/100 über dem OSV-Rekord von Vera Lischka.

Fällt der Rekord von Vera Lischka?
Die von der Oberösterreicherin am 12. Dezember 2001 bei der Kurzbahn-EM in Antwerpen geschwommenen 31,16 zu unterbieten, war ein realistisches Ziel für Österreichs "Sportlerin des Jahres 2002". Um die Podestplätze durfte man einen Vierkampf zwischen den Australierinnen Jade Edmistone und Brooke Hanson sowie dem US-Duo Tara Kirk und Amanda Beard erwarten. Als klare Favoritin positionierte sich Edmistone, sie blieb im Halbfinale in 30,01 nur 11/100 über ihrem knapp zwei Wochen alten Weltrekord.

USA stellt alle Nationen in den Schatten
Jukic empfand die Stimmung in der Halle als herrlich, wofür vor allem die Lokalmatadore sorgten. Bei jeder der fünf Siegerehrungen wurde die US-Hymne gespielt und jeder der zwölf in der Abend-Session im Einsatz gewesenen US-Athleten kam mit zumindest einer Medaille zurück ins Hotel. Für den perfekten Auftakt hatte Superstar Michael Phelps mit seinem Sieg über 200 m Kraul gesorgt, womit er den Weg zu den angestrebten sechs Goldenen eingeschlagen hat. Ihn in den Schatten stellte aber Kaitlin Sandeno mit gleich drei Titeln.

Drei WM-Titel in nur 70 Minuten
Diese optimale Ausbeute gelang der 21-Jährigen, obwohl sie sich während des Früh-Trainings eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen hatte, als sie gegen eine Planke gelaufen war. "Ich war mir da nicht sicher, ob ich schwimmen kann. Aber nach diesen Ergebnissen bin ich ganz aufgeregt, dass ich das trotz nicht optimaler Verfassung erreicht habe." Sandeno siegte innerhalb von 70 Minuten über 200 m Delfin in 2:06,95, über 400 m Lagen in 4:30,12 und als Schluss-Schwimmerin der 4x200-m-Kraul-Staffel in 7:47,72.

Superstar Phelps hatte zu kämpfen
Phelps tat sich ziemlich schwer, um den erwarteten Sieg ins Trockene zu bringen. "Die letzten 75 Meter hat es schon ziemlich wehgetan. Mein Körper ist in den vergangenen drei Monaten doch ziemlich beansprucht worden. Jetzt bin ich müde", erklärte der 19-Jährige. Die "Tortur" begann für Phelps mit den US-Trials in der ersten Juli-Hälfte, es folgten die intensive Olympia-Vorbereitung, die Spiele in Athen mit sechs Mal Gold und zwei Mal Bronze sowie die wochenlange Gratulationstour durch die Staaten.

Über 200 m Kraul reichten die Kraftreserven aber, um den Kanadier Richard Say um acht Zehntel auf Platz zwei zu verweisen. In 1:43,59 Minuten blieb Phelps jedoch "um Welten" hinter der Weltrekordzeit von 1:41,10 des in Indiana fehlenden Australiers Ian Thorpe. Der dreifache Langbahn-Weltmeister nahm das aber nicht so tragisch. "Ich bin jetzt einmal froh, eine Goldene in der Tasche zu haben. Denn es kommen noch ein paar harte Rennen." Das fünfte Gold des Abends holte die 4x100-m-Kraul-Staffel der Herren in 3:09,96.

Kurzbahn-Welmeisterschaft in Indianapolis - Ergebnisse

Herren - 200 m Kraul: 1. Michael Phelps (USA) 1:43,59 Minuten - 2. Richard
Say (CAN) 1:44,39 - 3. Ryan Lochte (USA) 1:44,97 - 4. Juri Prilukow (RUS) 1:45,40 - 5. Kvetoslav Svoboda (CZE) 1:45,60 - 6. Nicholas Sprenger (AUS) 1:46,33 - 7. Stefan Herbst (GER) 1:46,66 - 8. Rodrigo Castro (BRA) 1:46,72

Herren - 4 x 100 m Kraul: 1. USA (Nick Brunelli/Neil Walker/Nate Dusing/Jason Lezak) 3:09,96 - 2. Brasilien (Cesar Cielo/Thiago Pereira/Christiano Santos/Nicholas Santos) 3:12,73 - 3. Kanada (Michael Mintenko/Matthew Rose/Adam Sioui/Richard Say) 3:13,62 - 4. Schweden 3:14,26 - 5. Australien 3:15,24 - 6. Russland 3:16,56 - 7. China 3:19,15 - 8. Spanien 3:19,44

Damen - 200 m Delfin: 1. Kaitlin Sandeno (USA) 2:06,95 - 2. Mary Descenza
(USA) 2:07,79 - 3. Audrey Lacroix (CAN) 2:08,35 - 4. Jessica Schipper (AUS) 2:08,50 - 5. Felicity Galvez (AUS) 2:08,70 - 6. Caterina Giacchetti (ITA) 2:09,28 - 7. Yurie Yano (JPN) 2:11,47 - 8. Jie Le (CHN) 2:14,46

Damen - 400 m Lagen: 1. Kaitlin Sandeno (USA) 4:30,12 - 2. Katie Hoff (USA)
4:33,09 - 3. Lara Carroll (AUS) 4:35,46 - 4. Georgina Bardach (ARG) 4:36,54 - 5. Elizabeth Warden (CAN) 4:40,37 - 6. Carrie Bourgoyne (CAN) 4:41,69 - 7. Tianyi Zhang (CHN) 4:43,23 - 8. Kathryn Meaklim (RSA) 4:47,85

Damen - 4 x 200 m Kraul: 1. USA (Dana Vollmer/Rachel Komisarz/Lindsay
Benko/Kaitlin Sandeno) 7:47,72 - 2. Australien (Lisbeth Lenton/Danni Miatke/Louise Tomlinson/Shayne Reese) 7:51,39 - 3. Schweden (Ida Mattson/Johanna Sjoberg/Josefin Lillhage/Petra Grandlund) 7:54,39 - 4. China 8:00,45 - 5. Kanada 8:01,48 - 6. Brasilien 8:03,98 - 7. Neuseeland 8:08,25 - 8. Südafrika 8:13,71

Damen - Semifinale 50 m Brust: 1. Jade Edmistone (AUS) 30,01 Sekunden - 2. Tara Kirk (USA) 30,61 - 3. Brooke Hanson (AUS) 30,67 - 4. Amanda Beard (USA) 31,33 - 5. Mirna Jukic (AUT) und Simone Weiler (GER) je 31,55 - 7. Lisa Blackburn (CAN) 31,85 - 8. Luo Xuejuan (CHN) 31,86

8.10.2004 13:03