Kahn kontra Lehmann: Streit um Nummer 1 belastet die DFB-Team-Reise nach Teheran
- Sepp Maier plädiert für Kahn als Nummer eins
- Franz Beckenbauer versucht Einigung zu erzielen
Kahn contra Lehmann - der unendliche Streit um die Nummer 1 im Tor belastet die Reise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach Teheran, wo am Samstag vor 100.000 Zuschauern im Azadi-Stadion (18 Uhr/ZDF) die DFB-Auswahl freundschaftlich auf den Iran trifft. Bundestorwart-Trainer Sepp Maier hatte am Donnerstagmorgen noch vor dem Abflug der Sondermaschine aus München mit drastischen Äußerungen pro Oliver Kahn und gegen dessen Rivalen Jens Lehmann für eine neue Zuspitzung des Kampfes um den Torhüter-Posten bei der WM 2006 gesorgt.
Während Bundestrainer Jürgen Klinsmann ein "offenes Duell" zwischen den beiden Keepern angekündigt hatte, sagte Maier der "Bild"-Zeitung : "Da kann sich Lehmann aufhängen - Oliver Kahn ist der Bessere. Ich sage meine Meinung nicht, weil ich seit elf Jahren mit Olli bei Bayern zusammen arbeite, sondern weil ich es so sehe."
Maier ignoriert die Anweisung von Teamchef Klinsmann
In Teheran ist Lehmann (20. Länderspiel) die Nummer 1, weil Klinsmann Kahn eine "schöpferische Pause" gönnt. Maier, der Arsenal-Keeper Lehmann auf die Partie im Training vorbereitet, hatte schon bei der ersten Dienstreise unter Klinsmanns Regie Mitte August in Wien gegen Österreich den Bundestrainer mit einer ähnlichen verbalen Attacke gegen Lehmann verärgert und eine Abmahnung des Bundestrainers erhalten. "Es ist klar so abgesprochen, dass er in Zukunft seine Gedanken in sportlicher Hinsicht bei mir oder Jogi Löw ausbreitet und nicht über Dritte", hatte Klinsmann damals gefordert. Daher droht nun eine Konfrontation.
Verhältnis zwischen Lehmann und Maier angespannt
Das Verhältnis zwischen Lehmann und Maier ist trotz der beiderseitigen Beteuerung, menschlich ein gutes Verhältnis zu haben und auf dem Platz professionell miteinander zu arbeiten, angespannt. So sagte Lehmann zu Beginn der Woche im Interview über Maier: "Was er zum Fußball sagt, ist manchmal Quatsch." Maiers Konter kam prompt: "Lehmann soll erst mal das erreichen, was ich erreicht habe. Da kann er noch 100 Jahre Fußball spielen."
Kahn meldet sich aus der Heimat zu Wort
Auch Kahn äußerte bei einem PR-Termin erneut Unverständnis über Lehmann. Ihm missfiel, dass Lehmann eine erneute Kampfansage platziert hatte. "Das ist mittlerweile eine Charakterfrage, was da permanent von Jens Lehmann öffentlich gemacht wird", stichelte Kahn. Er sieht nach seinen bisherigen Kontakten mit Klinsmann in Lehmann weiterhin einen chancenlosen Herausforder: "Ich habe die Information, dass ich die Nummer 1 bin und Jens Lehmann einige Chancen bekommt." Arsenal-Manager Arsene Wenger sieht dies jedoch anders: "Jens hat zurzeit einen kleinen Vorteil gegenüber Kahn, weil er in einem sehr erfolgreichen Verein spielt", schrieb der Franzose in seiner Kolumne für den "Kicker".
Beckenbauer für Einigung
Franz Beckenbauer hat indessen Kahn und Lehmann im Streit um die Nummer eins im DFB-Tor zu einem Einigungsversuch aufgefordert. Der deutsche Ehrenkapitän und Chef des Organisationskomitees der WM 2006 in Deutschland sagte am Donnerstag in Berlin, beide Goalies sollten "sich jetzt einmal an einen Tisch setzen und die Sache ausdiskutieren". Bisher sei jeder "Versuch einer Zusammenführung gescheitert".
Beckenbauer bedauerte, dass Lehmann und Kahn vor dem Iran-Spiel nicht zu einer Verständigung kommen könnten. Bis sie sich treffen, forderte Beckenbauer sie zum Stillhalten auf. "Mit Äußerungen sollen sie sich jetzt klar zurückhalten." Die Situation sei unbefriedigend, "aber so lange sie die Bälle wenigstens halten, geht es", meinte Beckenbauer ironisch. (apa)
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