Samstag, 9. Oktober 2004

Nach direktem Duell: Kerry liegt in ersten Umfrage wieder vor dem US-Präsidenten!

  • Kerry führt mit 47 Prozent knapp vor Bush mit 45 Prozent
  • Thema Irak-Krieg wiederholt im Zentrum der Debatte

George W. Bush kann trotz verbessertem Auftritt auch im 2. TV-Duell vor der US-Präsidentenwahl nicht punkten: Der demokratische Kandidat John Kerry hat auch die zweite Fernsehkonfrontation gegen den US-Präsidenten am Freitagabend in St. Louis laut Blitzumfragen knapp gewonnen. Einer Umfrage des Senders ABC News zufolge sahen 44 Prozent der befragten Zuschauer den Herausforderer Kerry als Sieger der Debatte, 41 Prozent votierten für Bush. Im Vergleich zu ihrem ersten Aufeinandertreffen lieferten sich Bush und Kerry diesmal eine deutlich lebhaftere Fernsehdebatte. Auch das zweite Duell stand über weite Teile neuerlich im Zeichen des Irak-Kriegs und des Kampfes gegen den Terrorismus.

In einer gemeinsamen Umfrage des TV-Senders CNN und der Zeitung "USA Today" stimmten 47 Prozent der Teilnehmer für Kerry, für 45 Prozent lag der Amtsinhaber vorn. Den Angaben zufolge wurden je 515 Fernseh-Zuschauer befragt. Der Abstand zwischen den beiden Kontrahenten blieb zu gering, um klare Prognosen für die Wahl am 2. November zu ermöglichen.

In dem zweiten, 90-minütigen Fernsehduell in Saint Louis im Bundesstaat Missouri warf Kerry dem Präsidenten erneut vor, ohne einen Friedensplan in den Krieg gezogen zu sein und im Irak ein Chaos angerichtet zu haben. Bush verteidigte den Irak-Krieg vehement und kritisierte seinen Herausforderer als wankelmütig.

Kerry: "Massive Lügen-Kampagne"
"Der Präsident hat keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden, also macht er seinen Wahlkampf zu einer massiven Lügen-Kampagne", sagte Kerry und bezog sich auf Vorwürfe Bushs, er ändere ständig seine Meinung. Er habe im Kongress für den Irak-Krieg gestimmt, weil es angeblich Massenvernichtungswaffen im Irak gegeben habe, sagte der Senator. Dass habe sich nun als falsch herausgestellt und Amerika wie auch der Irak seien entgegen den Aussagen des Präsidenten unsicherer geworden.

Für Bush ist es "ein grundlegendes Missverständnis zu sagen, dass der Krieg gegen den Terrorismus nur aus Osama bin Laden besteht". Der Kampf gegen den Terror habe das Ziel zu verhindern, dass Terroristen an Massenvernichtungswaffen kämen. "Ich war nicht glücklich, als wir feststellten, dass im Irak keine Massenvernichtungswaffen waren", räumte Bush ein. Dennoch sei der Krieg richtig gewesen, weil Saddam hussein eine Bedrohung darstellte. "Das war nicht der Grund für den Krieg, das ist eine Ausrede", parierte Kerry. Die Regierung habe sich auf den Irak versteift, während Iran und Nordkorea ihre Nuklearprogramme ausbauten. Wären die für den Irak-Krieg ausgegebenen 200 Milliarden Dollar für Afghanistan eingesetzt worden, "wäre Osama bin Laden heute im Gefängnis oder tot".

Im Schlagabtausch über die Wirtschaftspolitik hielt Kerry Bush vor, der erste Präsident seit 72 Jahren zu sein, in dessen Amtszeit es einen Nettoverlust an Arbeitsplätzen gegeben habe. Mit Blick auf das Rekorddefizit von 422 Milliarden Dollar meinte Kerry, Bush habe in vier Jahren mehr Schulden gemacht als alle Präsidenten von George Washington bis Ronald Reagan zusammen. Der Präsident beschwor indessen die Gefahr von Steuererhöhungen, wenn die Demokraten an die Macht kämen. Die Kontrahenten lieferten sich auch auf dem Gebiet der Bildungs- und Gesundheitspolitik einen heftigen Schlagabtausch.

Die Zuschauer waren anschließend der Auffassung, dass Kerry insgesamt gelassener und wortgewandter gewirkt habe als Bush, dem mehr Aggressivität angelastet wurde. Nach ersten Einschätzung der Kommentatoren machte Bush diesmal aber eine bessere Figur als bei der ersten Fernsehdebatte, die Kerry eindeutig für sich entschieden hatte. Der Senator aus Massachusetts punktete aber wieder mit Angriffigkeit und Detailwissen. Beide Wahlkampfteams erklärten ihren Kandidaten erwartungsgemäß zum Sieger.

Kontrahenten saßen auf Barhockern
Bush und Kerry agierten in einer halbrunden Arena vor dem Publikum an der Universität von St. Louis in Missouri. Sie saßen auf Barhockern, gingen aber, sobald eine Frage aus dem Publikum an sie gerichtet war, mit dem Mikrofon in der Hand auf die Fragesteller zu. Beide nutzten jede Frage vor allem, um die Politik des Gegners zu kritisieren.

Zu einer emotionaleren Konfrontation kam es bei den Themen Stammzellenforschung und Abtreibung. Bush wandte sich gegen die Förderung von embryonaler Stammzellenforschung, weil dadurch Leben von Embryos zerstört würden. Kerry verwies darauf dass 200.000 bei künstlicher Befruchtung erzeugte Embryos in Labors in den USA eingefroren seien, und dass er diese für Stammzellenforschung nützen würde.

Die dritte und letzte Präsidentschaftsdebatte findet kommenden Mittwoch in Arizona statt. Dort stellt wieder ein Journalist die Fragen. Es soll diesmal ausschließlich um die Innenpolitik gehen. (apa/red)

9.10.2004 21:05