Der Wahlkampf bleibt spannend: TV-Duell der Vizekandidaten endet Unentschieden
- Cheney punktete mit Kompetenz, Edwards mit Emotion
- Republikanischer Vize weit besser als Präsident Bush
·Hartes Vize-Duell Cheney - Edwards
Irak-Politik auch bei zweiter
TV- Debatte Thema Nr. 1.
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BILDER: Diese Kandidaten
wollen ins Weiße Haus!
Vier Wochen vor der Wahl in den USA haben sich Vizepräsident Richard Cheney (63) und sein demokratischer Herausforderer John Edwards (51) im Fernsehen einen leidenschaftliches Duell geliefert. Dabei ging es neben innenpolitischen Themen vor allem um den Irak-Krieg und den Kampf gegen den Terror. Edwards warf der Regierung von Präsident George W. Bush Versagen im Irak und den Verlust von Millionen Arbeitsplätzen in den USA vor.
Cheney zeichnete dagegen einen optimistischen Ausblick für den Irak und versuchte, dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry Führungsstärke abzusprechen.
Cheney verwies in der Debatte am Dienstag auf Erfolge, die seit dem Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak erzielt worden seien: Die Machtübergabe an eine Übergangsregierung, der Aufbau irakischer Sicherheitskräfte und die für Jänner geplante Wahl. "Ich bin zuversichtlich, dass wir den Job erledigen werden." Cheney rechtfertigte den Krieg als Teil des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus. Saddam Hussein habe eine "etablierte Beziehung" zum Terrornetzwerk Al Kaida unterhalten.
Edwards konterte, die Bush-Regierung führe die amerikanische Bevölkerung noch immer in die Irre. "Sie gehen im Land umher und behaupten, es gebe eine Verbindung zwischen dem 11. September 2001 und Saddam Hussein. Aber es gibt sie nicht." Zudem hätten Bush und Cheney im Anti-Terror-Kampf Fehler gemacht. "Als wir Osama bin Laden in die Ecke getrieben hatten, haben sie die Sache den afghanischen Kriegsfürsten überlassen", sagte Edwards.
Edwards kritisiert Irak-Politik scharf
Die Vereinigten Staaten hätten 90 Prozent der Kriegskosten und 90 Prozent der Opfer erbracht. Als "Gipfel der Scheinheiligkeit" habe Bush die Truppen ohne ausreichende Ausrüstung in den Irak geschickt und für Gehaltskürzungen bei der Armee geworben. Cheney verwies darauf, dass fast die Hälfte der Opferzahl auf die irakischen Sicherheitskräfte entfalle. "Ihre Opfer herabzuwürdigen ist völlig inakzeptabel."
Cheney unterstellte Kerry, immer auf der falschen Seite zu stehen, wenn es um die Landesverteidigung gehe. So habe dieser gegen den ersten Irak-Krieg 1991 gestimmt. Den zweiten Krieg habe er zunächst befürwortet, dann aber gegen ein Aufbauprogramm von 87 Milliarden Dollar (70,7 Mrd. Euro) für den Irak und Afghanistan gestimmt. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Demokraten noch ihren Präsidentschaftskandidaten gesucht, und Howard Dean habe dank seiner kriegskritischen Haltung Stimmen bekommen. "Wenn Kerry nicht mal dem Druck von Howard Dean standhalten konnte, wie können wir erwarten, dass er Al Kaida standhält?"
Abbau von Arbeitsplätzen
In der innenpolitischen Debatte attestierte Edwards Bush, der erste Präsident seit 70 Jahren zu sein, in dessen Amtszeit mehr Arbeitsplätze verschwunden als entstanden seien. Mehr Amerikaner seien in die Armut gerutscht und müssten ohne Krankenversicherung leben. Cheney warf Edwards vor, während seiner Zeit als Senator nichts besonders geleistet zu haben.
Cheney, der eine lesbische Tochter hat, sprach sich für gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus. Die Menschen sollten die Freiheit haben, jede Art von Beziehung zu führen. Zu Bushs Drängen auf eine Verfassungsänderung zum Verbot der so genannten Homo-Ehen sagte Cheney: "Er macht die Politik in der Regierung, und ich unterstütze ihn." Edwards erklärte, "ich glaube, die Ehe ist etwas für Mann und Frau, und das glaubt auch John Kerry. Wir sollten jedoch nicht die Verfassung benutzen, um unser Land zu teilen."
Die führenden US-Zeitungen hielten sich am Mittwoch mit der Ausrufung eines Siegers zurück. Cheney habe müde und wütend gewirkt, schrieb die "New York Times"; die "USA Today" hingegen lobte seine Ausführungen zur US-Außenpolitik. In einer Umfrage des US-Fernsehsenders ABC fanden 43 Prozent der Befragten Cheney, 35 Prozent Edwards überzeugender. Eine Befragung des Senders Fox News sah hingegen Edwards mit 53 Prozent vor Cheney, der auf 46 Prozent kam.
Kerry zeigte sich mit der Leistung seines Vize hochzufrieden: "Absolut spektakulär", lautete sein Urteil. Kerry und Bush treffen sich am Freitag zu ihrem zweiten Fernsehduell. Aus der ersten Debatte vergangene Woche ging nach Ansicht von Beobachtern Kerry als Sieger hervor. Jüngsten Prognosen zufolge liegen Bush und Kerry in der Gunst der Wähler wieder fast gleich auf.
(apa)
