Großbritannien trauert um Bigley: Blumen, Schweigeminuten & Glockenschläge
- In Liverpool wehen Fahnen auf Halbmast
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Ganz Großbritannien hat mit Trauer und Entsetzen auf die Ermordung des Ingenieurs Kenneth Bigley im Irak reagiert. In Liverpool, der Heimatstadt des 62-Jährigen, gedachten die Bürger Bigleys am Samstagmittag mit zwei Schweigeminuten. Je 62 Glockenschläge läuteten die Andacht ein und aus - einer für jedes Lebensjahr des Ermordeten. In mehreren britischen Städten trugen die Menschen sich in Kondolenzbücher ein; Premierminister Tony Blair drückte am Freitag seine "tiefste Abscheu" über das Verbrechen aus. Königin Elizabeth II. sandte Bigleys 82-jähriger Mutter ein persönliches Beileidschreiben. Der Brite war am 16. September in Bagdad verschleppt worden.
In Liverpool wehten die Fahnen auf Halbmast, während auch Bürgermeister Frank Roderick und mehrere seiner Mitarbeiter vor dem Rathaus des Toten gedachten. "Liverpool ist eine Stadt, in der die Menschen zu einer großen Familie gehören", sagte Roderick. "Heute sind wir zusammengerückt, um der Familie Bigley zu zeigen, dass wir bei ihr sind." Rund zweihundert Menschen versammelten sich vor dem Rathaus; viele trugen sich in das ausliegende Kondolenzbuch ein. Der britische Fußballverband kündigte eine Schweigeminute vor dem anstehenden Spiel zwischen England und Wales in Manchester an.
Der Leiter der pakistanischen Gemeinde in der nordenglischen Hafenstadt, Shas Nawaj, sagte, die Entführer des Briten seien "keine Menschen". Die moslemische Gemeinde sei "empört". In der Stadt Birmingham legten moslemische Geistliche ein Kondolenzbuch in der Moschee aus und verurteilten die "barbarischen und sündhafte Taten", die im Namen ihrer Religion begangen würden.
Anteilnahme an der Trauer der Familie
Bigleys Familie kam im Haus von seiner Mutter Lil zusammen und bat die Medien darum, ihre Privatsphäre zu achten und Abstand zu wahren. Die 86-jährige irischstämmige Mutter des Ermordeten war seit seiner Entführung zwei Mal im Krankenhaus gewesen und erst kurz vor seinem Tod wieder nach Hause entlassen worden. "Nach drei Wochen Todeskampf hat Ken Frieden", schrieb die örtliche Tageszeitung. Am Vorabend hatten in Liverpool hunderte Menschen einen Gottesdienst für Bigley besucht. In der Kirche brannte auch am Samstag eine weiße Kerze neben einer großen Fotografie des Ingenieurs.
Bigleys thailändische Witwe Sombat trauerte bei ihrer Familie in Bangkok. "Ich habe diesen Mann von ganzem Herzen geliebt", sagte die 35-Jährige der britischen Tageszeitung "Daily Mail". "Er war mein Herz, und jetzt haben sie ihn mir entrissen. Warum musste er so sehr leiden?" Das Paar war seit sieben Jahren verheiratet. Bigley hinterlässt einen erwachsenen Sohn.
Blair spricht von "barbarischen Mord"
Premierminister Blair sprach Bigleys Angehörigen sein Beileid aus. Er empfinde tiefste Abscheu über den "barbarischen" Mord, sagte er dem Fernsehen an seinem Landsitz bei London. Derartige Taten dürften "sich nicht durchsetzen". Irlands Premierminister Bertie Ahern verurteilte die Tat als "kaltblütigen Mord an einem Unschuldigen". Königin Elizabeth II. schickte Bigleys Mutter ein persönliches Beileidschreiben, wie der Buckingham-Palast mitteilte.
(apa)
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