Samstag, 9. Oktober 2004

Video über die Enthauptung Bigleys: Familie bestätigt grausamen Geiselmord

  • Bruder Bigleys: "Mr. Blair hat Blut an den Händen"
  • Arabischer Sender verweigert die Ausstrahlung

Drei Wochen zitterte die Familie von Kenneth Bigley um sein Leben. Jetzt haben sie traurige Gewissheit. Die Extremisten-Gruppe um den Al-Kaida-Verbündeten Abu Musab al Zarqawi im Irak hat ihre Geisel hingerichtet. Bruder Phil Bigley bestätigte den Tod ebenso wie die britische Regierung. Außenminister Jack Straw sagte am Freitagabend in London, Bigley sei "barbarisch ermordet" worden. Straw sprach der Familie Bigleys sein Beileid aus. Mit ihr habe das ganze Land "drei qualvolle Wochen" hinter sich.

Der Mord ist auf einem Video zusehen, das am Freitag von moslemischen Extremisten veröffentlicht und von Journalisten gesehen wurde. Sechs vermummte Männer seien auf dem Video hinter dem vor ihnen knienden Bigley zu sehen, hieß es. Einer halte eine etwa eine Minute lange Ansprache. Dann trete er hervor, ziehe ein Messer aus seinem Gürtel und schneide der von drei Mann festgehaltenen Geisel den Kopf ab.

Bigley war am 16. September gemeinsam mit zwei US-Amerikanern aus einem Haus in der irakischen Hauptstadt Bagdad entführt worden. Die beiden anderen Geiseln hat die Gruppe bereits ermordet. Auf den Videobildern trägt Bigley einen orangefarbenen Trainingsanzug, wie ihn die Gefangenen auf dem US-Stützpunkt Guantanamo Bay in Kuba tragen müssen. In Guantanamo halten die USA Gefangene ihres Kampfes gegen den internationalen Terrorismus fest.

"Blair hat Blut an den Händen"
"Wir können bestätigen, dass die Familie nun absolute Gewissheit hat, dass Ken Bigley hingerichtet worden ist", erklärte Bigleys Bruder Phil im Fernsehen. Bigleys Bruder Paul machte in einer ersten Reaktion den britischen Premierminister Tony Blair für die Tat verantwortlich. "Mr. Blair hat Blut an seinen Händen", schrieb Paul Bigley an britische Gegner des Irak-Krieges. "Bitte stoppt den Krieg und verhindert den Verlust weiterer Menschenleben."

Arabischer Sender verweigerte Ausstrahlung: Zu grausam
Der britische Fernsehsender Sky TV berichtete unter Berufung auf Regierungskreise auch von der Ermordung der Geisel, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Dem arabische Sender Abu Dhabi Television lag das Band nach eigenen Angaben ebenfalls vor. Er verweigerte aber eine Ausstrahlung, weil er sich nicht zum Sprachrohr der Täter machen wolle, und sprach den Angehörigen Bigleys sein Mitgefühl aus.

Kenneth Bigley hatte mehrfach in Videobotschaften an Blair appelliert, sich für sein Leben einzusetzen. "Ich bitte Sie um mein Leben, haben Sie Mitleid, bitte", hatte Bigley zuletzt in einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Video gesagt. Blair erklärte stets, seine Regierung werde nicht mit Geiselnehmern verhandeln. Der Regierungschef steht wegen seiner Irak-Politik innenpolitisch stark unter Druck. Die Entführer forderten eine Freilassung aller weiblichen irakischen Gefangenen aus US-Haft. Der US-Armee zufolge sitzen in ihren Haftanstalten im Irak aber nur zwei Frauen, die im Zusammenhang mit dem Programm für Massenvernichtungswaffen des gestürzten Machthabers Saddam Hussein festgenommen wurden.

(apa/red)

9.10.2004 08:30