Samstag, 9. Oktober 2004

Ermittlungen zu Anschlägen in Ägypten: Israel sieht El Kaida hinter neuem Terror

  • Experten bezweifeln Täterschaft unbekannter Gruppen
  • Dutzende vermisst: Weiter Suche nach Überlebenden

Für Israel steht El Kaida oder eine mit dem Terrornetzwerk zusammenarbeitende Gruppe hinter den Anschlägen in Ägypten. Der Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, Aharon Seewi, sagte dem Kabinett am Freitag in Jersualem, die Bombenanschläge mit mindestens 34 Toten trügen die Handschrift von El Kaida. Auch das israelische Verteidigungsministerium geht von einer El Kaida nahe stehenden Gruppe aus, berichteten israelische Medien.

Die ägyptischen Behörden warnten in diesem frühen Stadium der Ermittlungen vor Spekulationen. Experten bezweifelten die Täterschaft von zwei bisher unbekannten Gruppen, die sich am Freitag zu den Anschlägen gegen Ferienanlagen auf der ägyptischen Halbinsel Sinai bekannt hatten. Bei den drei Attentaten am Donnerstagabend waren mehr als 105 Menschen in den Badeorten Taba und Ras l Shitan (Sultan) auf der Sinai-Halbinsel verletzt worden.

Unterdessen wird in den Trümmern des Hotels immer noch nach Überlebenden gesucht. Nach israelischen Medienberichten war die Zahl der Vermissten in der Nacht zum Samstag weiter unklar. Insgesamt würden noch 38 Israelis vermisst, sagte der israelische General Jair Naveh. Es sei jedoch möglich, dass sich von denen bereits viele Zuhause gemeldet haben könnten. Nach anderen israelischen Angaben sind möglicherweise noch bis zu 20 Menschen verschüttet. Die Rettungsarbeiten könnten noch mehrere Tage dauern.

Die folgenschwerste von insgesamt drei Explosionen traf in der Nacht zum Freitag die Menschen im Hilton-Hotel in Taba. Mindestens ein Selbstmordattentäter raste mit einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug in die Lobby. Mehrere Stockwerke des Gebäudes stürzten ein, Feuer brachen aus. Die Terroristen attackierten auch zwei Restaurants in Ferienanlagen im südlich von Taba gelegenen Ras l Shitan. Tausende israelischer Urlauber im Sinai traten nach den Bombenanschlägen fluchtartig die Heimreise an.

Der Terroranschlag in Taba war der bisher schwerste auf israelische Touristen im Ausland. Bei einem Bombenattentat in einem überwiegend von Israelis besuchten Hotel in Kenia waren im November 2002 insgesamt 18 Menschen ums Leben gekommen. Bei einem Angriff auf einen mit israelischen Touristen besetzten Reisebus hatten Terroristen im Februar 1990 im ägyptischen Ismailia elf Menschen umgebracht. (apa/red)

9.10.2004 21:31