Donnerstag, 7. Oktober 2004

Um UN-Sanktionen zu lockern: Saddam bestach angeblich französische Politiker

  • Ex-Diktator soll auch versucht haben, Politiker aus anderen Ländern zu kaufen

Der frühere irakische Präsident Saddam Hussein soll Politiker aus Frankreich, Russland und anderen Ländern bestochen haben, um die UN-Sanktionen zu lockern. Die Regierung in Bagdad habe sich vor allem auf Franzosen und Russen konzentriert, da deren Länder über ständige Sitze im UN-Sicherheitsrat verfügen, heißt es in dem Bericht des von der US-Regierung beauftragten Waffeninspekteurs Charles Duelfer.

Moskau und Paris forderten Belege für die Vorwürfe. Mit der Information, der Irak habe nicht über ABC-Waffen verfügt, widerlegt der Duelfer-Bericht vier Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl zudem das Hauptargument von Präsident Bush für den Irak-Krieg.

Laut dem vom US-Geheimdienst CIA am Mittwoch veröffentlichten Bericht soll unter anderem der ehemalige französische Innenminister Charles Pasqua von der früheren irakischen Führung im Rahmen des UN- Programms "Öl für Lebensmittel" Gutscheine erhalten haben, die die Ausfuhr von elf Millionen Barrel Öl erlaubten. Diese Scheine seien leicht in Bargeld umzutauschen gewesen. Auf ähnliche Weise habe Saddam Hussein auch den französischen Geschäftsmann Patrick Maugein bestochen, dem Einfluss auf Frankreichs Staatschef Jacques Chirac nachgesagt wurde. Bis Juni 2000 habe Frankreich darüber hinaus im Rahmen von "Öl für Lebensmittel" Verträge über 1,78 Milliarden Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro) erhalten, 15 Prozent aller in diesem Programm abgewickelten Geschäfte.

Ähnlich lukrative Kontakte gab es demnach in Russland mit dem Nationalisten Wladimir Schirinowski, der Kommunistischen Partei und dem Außenministerium sowie mit den damals einflussreichen Unternehmen wie Gasprom und Yukos. Gleichzeitig habe sich Bagdad um enge Beziehungen mit dem russischen Geheimdienst bemüht, dem früheren Arbeitgeber von Präsident Wladimir Putin. (apa)

7.10.2004 21:56