Samstag, 9. Oktober 2004

Parlamentswahl in Australien: Triumph für Regierungskoalition von Premier Howard!

  • Nach erster Hochrechnung 87 Mandate für Konservative
  • PLUS: John Howard: Das "Stehaufmännchen"

In Australien hat die liberal-konservative Regierungskoalition von Ministerpräsident John Howard (65) zum vierten Mal in Folge die Parlamentswahl gewonnen. Herausforderer Mark Latham (43) von der oppositionellen Labor-Partei räumte am Samstag im Fernsehen seine Niederlage ein und gratulierte Howard zu seinem Wahlsieg. "Das war heute nicht unsere Nacht", sagte Latham.

Die Wahlkommission teilte mit, nach Auszählung von 65 Prozent der Stimmen liege Howards Koalition mit 52,3 Prozent in Führung. Auf Labour kämen 47,7 Prozent. Laut einer Hochrechnung des Fernsehsenders ABC zufolge wird Howards liberalkonservatives Parteienbündnis somit mit einer klaren Mehrheit von etwa 87 Mandaten in das 150 Sitze umfassende Abgeordnetenhaus einziehen, 4 Sitze mehr als bisher. Labor kommt danach auf 60 Mandate, was einen Verlust von 3 Sitzen bedeutet.

13 Millionen Wähler entschieden
Insgesamt entschieden rund 13 Millionen Wähler über die Vergabe der Mandate. In Australien herrscht Wahlpflicht. Der Ausgang bedeutet auch, dass rund 900 in und um Irak stationierte australische Soldaten bis auf weiteres in der Region bleiben. Latham hatte versprochen, sie bis Weihnachten heimzuholen.

"farblos, aber zuverlässig"
Mehr als der Irak-Krieg beschäftigten Australier aber die Themen Wirtschaft, Gesundheit und Bildung. Dabei spielten auch die Persönlichkeiten der Spitzenkandidaten eine große Rolle. Der 65 Jahre alte Howard gilt nach Umfragen zwar als farblos, aber zuverlässig, der 43-jährige Latham als tatkräftig, aber unerfahren und mitunter undiszipliniert. Howard hatte vor allem mit der starken Wirtschaft des Fünften Kontinents für sich geworben

Bestätigung für den Irak-Krieg?
Von den drei Hauptverbündeten im Irak-Krieg war Howard der erste, der sich der Wiederwahl stellte. US-Präsident George W. Bush tritt am 2. November abermals an, der britische Premierminister Tony Blair wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr Parlamentswahlen anberaumen. Die rund 13 Millionen Australier wählten am Samstag die 150 Abgeordneten im Unterhaus neu und bestimmten ferner die Zusammensetzung von 40 der 76 Mandate im Senat. Fürs Unterhaus gab es 1.091 Kandidaten, für die Senatssitze 330.

Für die Labour-Partei wurde auch der frühere Sänger der australischen Band Midnight Oil, Peter Garrett, ins Parlament gewählt worden. Freuen konnte er sich aber nicht, da Labour-Partei nach der vierten Wahl-Niederlage in Folge weiter in der Opposition bleibt. "Ich bin enttäuscht, dass wir landesweit nicht besser abgeschnitten haben. Aber ich habe ein gutes Ergebnis erzielt und den Sitz verteidigt", sagte Garrett dem australischen Rundfunk.

Der 51-jährige erklärte Umweltschützer hatte jahrelang seine Gruppe Midnight Oil als Plattform für seine politischen Ansichten genutzt und sich gegen Atomwaffen ausgesprochen und für die Rechte der Aborigines, der australischen Ureinwohner eingesetzt. Seine Gruppe löste sich 2002 nach 25 Jahren auf.
(apa)

9.10.2004 16:22