Mittwoch, 6. Oktober 2004

US-Chefinspektor gibt zu: Kein Hinweis auf Massenvernichtungswaffen im Irak

  • Duelfer legt Ergebnis von Inspektionen dem Senat vor
  • Wichtige Argumente von Präsident Bush widerlegt

Eineinhalb Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins haben die USA die Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak endgültig aufgegeben. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass der Irak nach dem Golfkrieg von 1991 noch atomare, biologische oder chemische Waffen produziert habe, heißt es im Abschlussbericht der US-Waffeninspektoren, der dem Senat vorgelegt wurde.

Der über 1.000 Seiten starke Abschlussbericht von Chefinspektor Duelfer widerlegt vier Wochen vor der Präsidentschaftswahl die wichtigsten Argumente, die Amtsinhaber Bush für den Krieg angeführt hatte. Allerdings stützt der Bericht die inzwischen vom Weißen Haus bevorzugte Argumentation, dass Saddam Hussein nach Massenvernichtungswaffen gestrebt habe. Dennoch habe der Irak seine Möglichkeiten zur Entwicklung von Atomwaffen vor dem Krieg nicht erweitert, wie die US-Regierung behauptet hatte.

Interviews mit dem gestürzten Präsidenten und anderen irakischen Beamten hätten deutlich gemacht, dass Saddam Hussein weiterhin den Ehrgeiz gehabt habe, ABC-Waffen zu entwickeln. Er habe auch gehofft, dies eines Tages tun zu können, wenn die UN-Sanktionen gegen den Irak aufgehoben würden, heißt es in dem Bericht weiter. Duelfer kündigte an, die Untersuchungen im Irak würden fortgesetzt.

Bush sagte unterdessen bei einem Wahlkampfauftritt in Pennsylvania: "Es bestand ein echtes Risiko, dass Saddam Hussein Waffen oder Materialien oder Informationen an Terrornetzwerke weitergeben würde. In der Welt nach dem 11. September war das ein Risiko, das wir uns nicht leisten konnten." (apa)

6.10.2004 22:55