Freitag, 8. Oktober 2004

Friedensnobelpreis 2004 geht an die kenianische Umweltaktivistin Maathai

  • Begehrte Auszeichnung ist mit 1,1 Millionen Euro dotiert
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Als erste Afrikanerin erhält die Umweltschützerin Wangari Maathai aus Kenia den Friedensnobelpreis. Das Osloer Nobelkomitee begründete die Vergabe mit dem Einsatz der 64-Jährigen für eine "nachhaltige Umweltentwicklung sowie Demokratie und Frieden" in ihrem Heimatland und in ganz Afrika. "Maathai denkt global und handelt lokal", sagte der Komiteevorsitzende Ole Danholt Mjs.

Die Biologin, die in den siebziger Jahren Tiermedizin in Deutschland studiert hatte, war zunächst durch ihr Engagement gegen die Entwaldung Kenias bekannt geworden. Die derzeitige Vize- Umweltministerin von Kenia setzte sich aber auch gegen die Verfolgung Oppositioneller, die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Korruption ein.

Maathai sagte in Nairobi in einem Interview mit dem TV-Sender NRK: "Ich bin völlig überwältigt, emotional sehr bewegt. Dies ist die größte Überraschung in meinem ganzen Leben." Sie bezeichnete die Erhaltung der Umwelt als unerlässliche Voraussetzung von Frieden. Maathai sagte: "Wenn wir unsere natürlichen Ressourcen zerstören und Mangel daran herrscht, wird es Konflikte und letztlich Kriege darum geben."

Die Nobelpreisträgerin hatte in den siebziger Jahren eine Bewegung in ihrem Land zur Verhinderung der Waldzerstörung und zur Wiederaufforstung ("Green Belt Movement") gegründet und ihr Engagement nach und nach auch auf den Kampf für die Meinungsfreiheit und gegen Korruption ausgeweitet.

Zu ihrem Engagement sagte sie damals: "Wir haben eine besondere Verantwortung für das Ökosystem dieses Planeten. Indem wir andere Arten schützen, sichern wir unser eigenes Überleben." Die Bewegung machte in vielen afrikanischen Ländern Schule und schärfte bei den Menschen das Bewusstsein für die Notwendigkeit, Natur und Umwelt zu erhalten.

Grenzenlose Begeisterung in Kenia
Mit Jubel hat die "Grüngürtelbewegung" auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an ihre Gründerin reagiert. "Wir sind ganz aus dem Häuschen", sagte die Projektmitarbeiterin Muguru Muchai in Nairobi. "Jeder klebte am Radio, und jetzt bekommen wir Anrufe aus allen Ecken der Welt." Muchai sagte, der Preis gebe der Arbeit der Organisation Aufschwung. "Nun werden wir noch mehr leisten können."

Ferrero-Waldner erfreut über Entscheidung
Außenministerin Benita Ferrero-Waldner hat sich am Freitag erfreut über die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees, den diesjährigen Friedensnobelpreis an die kenianische Umweltaktivistin Wangari Maathai zu verleihen. In einer Aussendung des Außenministeriums wurde Ferrero-Waldner mit den Worten zitiert: "Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit des österreichischen Außenministeriums hat der Umweltschutz und die Bewahrung der Artenvielfalt stets eine besondere Rolle gespielt."

Die am 1. April 1940 geborene Maathai ist wegen ihres Engagements bereits Trägerin zahlreicher Preise. Neben dem Alternativen Nobelpreis (1984) erhielt sie den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung. Schon damals hatte sie angekündigt, mit dem Preisgeld eine eigene Stiftung gründen zu wollen. Mit der Entscheidung des Nobelpreiskomitees, das diesmal den Gedanken des Umweltschutzes als Voraussetzung für den Frieden aufnahm, dürfte sie diesem Schritt nun einen großen Schritt näher gekommen sein.

(apa/red)

8.10.2004 16:12