Blutiger Wochenbeginn: Viele Tote und Verletzte bei neuen Anschlägen im Irak
- Polen kündigt Truppen-Abzug bis Ende 2005 an
- Briten-Geisel vielleicht nicht mehr in Hand der Entführer
Bei drei Autobombenanschlägen im Irak sind am Montag nach jüngsten Informationen mindestens 26 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. In der irakischen Hauptstadt Bagdad allein starben bei zwei Explosionen binnen einer Stunde mindestens 13 Menschen, mehr als 100 weitere wurden verletzt. In der nordirakischen Stadt Mossul rissen zwei Selbstmordattentäter drei Passanten in den Tod, als ihr Fahrzeug offenbar vorzeitig nahe einer Schule detonierte. Eigentliches Ziel sei vermutlich ein US-Konvoi gewesen, berichteten Augenzeugen. Neun weitere Menschen, darunter drei Kinder, seien verletzt worden, sagten Krankenhausärzte.
In Bagdad explodierte eine Autobombe vor einem Rekrutierungsbüro der irakischen Armee in der Nähe eines Zugangs zur stark bewachten "Grünen Zone", in der sich die irakische Übergangsregierung und die US-Botschaft befinden. Krankenhausärzte berichteten von mindestens 12 Toten und mehr als 80 Verletzten. Die Opfer waren vornehmlich junge Männer, die sich vor dem Büro um Arbeit anstellten.
In der Nähe eines von Ausländern bewohnten Hotels im Zentrum von Bagdad sprengte sich ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter in die Luft, als eine US-Patrouille vorbeifuhr. Der arabische Nachrichtensender Al Arabiya sprach von einem Toten und 22 Verletzten. Wie das amerikanische Militär erklärte, kamen US-Soldaten bei dem Vorfall nicht zu Schaden.
Polen will Truppen 2005 abziehen
Unterdessen kündigte Polen den Abzug seiner Truppen aus dem Irak bis Ende 2005 an. Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski sagte der Zeitung "Gazeta Wyborcza", der Termin für den Rückzug der Soldaten solle mit dem Auslaufen der Resolution 1546 des UN-Sicherheitsrates zusammenfallen. Das Mandat geht bis Dezember 2005. Polen hat 2.400 Soldaten im Irak stationiert und befehligt im südlichen Teil der zentralirakischen Militärzone den Einsatz von rund 3.000 weiteren Soldaten aus anderen Staaten.
Italien, das ebenfalls im Irak Truppen stationiert hat, bestritt erneut, Lösegeld für die Freilassung der beiden im Irak entführten Sozialarbeiterinnen, Simona Pari und Simona Torretta, bezahlt zu haben. "Im Irak haben wir Tausende und Tausende von Kranken behandelt, viele andere kommen nach Italien. Wir garantieren Hilfe in verschiedenen Bereichen. Dies ist das Lösegeld, das wir bezahlt haben", betonte der italienische Außenminister Franco Frattini im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera. "Die Regierung hat ihr Informantennetz zur Befreiung der französischen Journalisten zur Verfügung gestellt. Dasselbe haben wir für die britische Geisel Ken Bigley getan."
Verwirrspiel um britische Geisel
Von Bigley hieß es, dass er von den Geiselnehmern an eine andere Gruppe übergeben worden sei. Bigleys Bruder Paul hatte im BBC-Fernsehen von einem entsprechenden Bericht einer kuwaitischen Zeitung gesprochen. Die britische Botschaft in Bagdad konnte diese Berichte nicht bestätigen. Eine Botschaftssprecherin erklärte, es lägen keine Informationen darüber vor, dass Bigley an eine andere Gruppe übergeben worden sei. Der Ingenieur Bigley wurde vor zwei Wochen verschleppt. Seine Entführer, die Gruppe Tawhid wal Jihad des jordanischen Extremistenführers Abu Musab al-Zarqawi, forderten damals die Freilassung aller irakischen Frauen aus den Gefängnissen.
Befreiungsversuch gescheitert
Unklar war außerdem das Schicksal der beiden französischen Geiseln. Nach dem Scheitern seiner Vermittlungsreise wollte der französische Abgeordnete Didier Julia von Damaskus nach Paris zurückfliegen. Er werde dem Parlament die Hintergründe seiner Bemühungen darlegen, sagte Julia in einem Telefoninterview des Rundfunksenders Europe-1. Zuvor war klar geworden, dass ein von Julia und mehreren Mittelsmännern eingefädelter Versuch zur Befreiung der beiden französischen Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot fehlgeschlagen war. Die gescheiterte Aktion stieß quer durch das politische Spektrum in Frankreich auf scharfe Kritik. Die oppositionellen Sozialisten kündigten an, die französische Regierung im Plenum der Nationalversammlung zu der Affäre zu befragen. UMP-Fraktionschef Bernard Accoyer kritisierte Julias Vorgehen als "unverantwortlich und gefährlich". (apa/red)
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