Freitag, 8. Oktober 2004

Unruhe an der Universität Wien: Stopp
für Diplomarbeiten am Publizistikinstitut

  • 3.000 Studierende können Studium nicht abschließen!
  • ÖH kritisiert "miserable Betreuungszustände"

"Miserable Betreuungszustände" ortet die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) an der Universität Wien. Vor allem an der Pädagogik und Publizistik sei es "katastrophal", erklärte Patrice Fuchs von der ÖH-Bundesvertretung bei einer "Krisenpressekonferenz". Anlass dafür war u.a. der Diplomarbeitsstopp am Institut der Publizistik. Dort würden "aus Protest gegen die Uni-Leitung wegen des desaströsen Betreuungsverhältnisses" keine Anmeldungen für Diplomarbeitsthemen angenommen.

Betroffen davon seien bis zu 3.000 Studierende, die dadurch ihr Studium nicht abschließen könnten, sagte Studienrichtungsvertreter Axel Maireder. Er kann den Protest aber auf Grund der Lage - fünf Professoren für 7.000 Studenten - nachvollziehen: "Die Universitätsleitung hat ihr Versprechen gebrochen, mit Umstellung auf das Bakkalaureat die Situation am Institut zu verbessern. Es wird Zeit, dass der Rektor erkennt, welche Probleme es an der Uni Wien gibt."

Zweiter Anlass für den Protest ist eine Panne bei der Online-Anmeldung für Lehrveranstaltungen am Institut für Erziehungswissenschaften. Weil die Anmeldefrist durch ein Versehen zwölf Stunden länger gelaufen ist als ursprünglich angekündigt, seien viele, die bereits einen Platz in einem Seminar hatten, wieder rausgefallen, erklärte Katrin Singer von der Studienrichtungsvertretung Pädagogik. Das eigentliche Problem sei aber die Finanzierung: "Das Budget für die Lehre an der Erziehungswissenschaften ist seit vier Jahren nicht erhöht worden."

Dass die Publizistik und Pädagogik kein Einzelfall seien, machte Vera Schwarz von der ÖH-Uni Wien klar. Die Anmeldesysteme - von Anstellen bis zum Internet - seien problematisch, weil zu wenige Lehrveranstaltungen angeboten würden. Dadurch komme es zu einer Selektion.

Fuchs hat den "Verdacht, dass diese Zustände politisch gewollt sind". Man müsste nur Geld zur Verfügung stellen, "und zwar gezielt, denn nicht in allen Studienrichtungen sind die Zustände so katastrophal", so Fuchs. Die ÖH hat deshalb einen Offenen Brief an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) geschrieben - auch weil die Studentenvertreter "seit Jänner um einen Termin anfragen, aber keine Antwort bekommen". Darin wird Gehrer aufgefordert, "diese Situation nicht schönzureden, sondern endlich zu handeln und den Niedergang des österreichischen Universitätssystems zu stoppen". Die ÖH bestreite nicht, dass auch die Institute und Unis gefordert seien. "Sie jedoch sind die zuständige Fachministerin und tragen die Endverantwortung für den untragbaren Zustand an Österreichs Universitäten", heißt es in dem Brief.

(apa/red)

8.10.2004 12:07