Donnerstag, 7. Oktober 2004

Nach Mordversuch an Stiefsohn: Grazer Familienvater wurde zu 14 Jahre verurteilt

  • 40-Jähriger stach 19-jährigen mit Fleischermesser nieder - Urteil nicht rechtskräftig

Wegen versuchten Mordes am 19 Jahre alten Sohn seiner Lebensgefährtin und versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung an der Freundin wurde am Donnerstag ein 40 Jahre alter gebürtiger Grazer 14 Jahren Haft verurteilt. Der Mann soll im März diesen Jahres seine Familie - die Lebensgefährtin und die drei Kinder - mit dem Umbringen bedroht haben. Als sich der 19-Jährige Stiefsohn zwischen den Angeklagten und seiner Mutter stellte, stach ihn der 40-Jährige mit einem Fleischermesser nieder und verletzte ihn lebensgefährlich. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Beschuldigte erbat sich drei Tage Bedenkzeit.

Am 30. März 2004, einen Tag vor seinem Geburtstag, war der 40 Jahre alte Mann, der mit seiner Lebensgefährtin, deren zwei Söhnen und der gemeinsamen sechsjährigen Tochter in Gralla (Bezirk Leibnitz) wohnte, gegen 23.00 Uhr betrunken nach Hause gekommen. Weil seine kleine Tochter nicht bei ihm schlafen wollte - nach heftigen Auseinandersetzungen war die Freundin mit der Kleinen vom Schlafzimmer auf die Couch gezogen - und er mit der "Situation unzufrieden" war , kam es zum Streit zwischen dem Paar.

Mit einem 40 Zentimeter langem Fleischermesser soll der 40-Jährige dann in das Kinderzimmer gegangen sein, wo sich die Frau mit den Kindern aufgehalten hatte. Laut Anklageschrift drohte er, "dass er alle abstechen werde, wie es der Vater mit seinen Kinder in Semriach gemacht hatte". In Semriach bei Graz hatte wenige Tage zuvor ein Familienvater seine beiden Kinder und sich selbst umgebracht. Gegenüber der vorsitzenden Richterin Angelika Hacker gab der Mann an, dass er nur mit seiner Lebensgefährtin hatte reden wollen, damit sie aufhört "herum zu spinnen".

Das Messer habe er mitgenommen, um seinen 19-jährigen Stiefsohn in die Schranken zu weisen, falls er sich einmischen sollte, erklärte der Beschuldigte vor Gericht: "Ich wollte, dass er Respekt vor mir hat." Als die Frau das Messer sah, kam es zu einem Gerangel, in das der 19-Jährige eingriff. "Als der wie ein wilder Stier auf mich losgegangen ist, habe ich ihm mit dem Messer in die Schulter gestochen", versuchte sich der Angeklagte zu rechtfertigen. Nur verletzen habe er ihn wollen.

Die Lebensgefährtin, die sich ursprünglich wie ihr Sohn der Aussage entschlagen hatte, sagte aus, dass der Alkohol schuld gewesen sei. "Wenn er nicht getrunken hat, war er der beste Familienvater", so die Frau. Den lebensgefährlichen Stich gegen ihren Sohn wollte sie nicht gesehen haben. Auch konnte sie sich - entgegen ihren ersten Angaben gegenüber der Gendarmerie - nicht mehr erinnern, dass der 40-Jährige auf sie einstechen wollte. (apa/red)

7.10.2004 19:58