Mittwoch, 6. Oktober 2004

Tiertragödie auf Bauernhof in OÖ: Verweste Kadaver lagen im Wohnzimmer

  • Hausbesitzer verwahrlost, "lebten" mit Tieren im Haus

Eine menschliche und eine Tiertragödie haben die Sicherheitsbehörden am Mittwoch im Bezirk Kirchdorf an der Krems in Oberösterreich endtdeckt. Ein 77-jähriger Landwirt hat seine rund 50 Rinder und Schafe offenbar sträflich vernachlässigt. Aber auch er selbst und seine 81-jährige Schwester waren total verwahrlost.

Nach einer Kontrolle des Betriebs veranlassten der Amtstierarzt und die Gendarmerie den Abtransport der Tiere. Im Stall wurden zwei bereits mumifizierte Rinderkadaver entdeckt, im Wohngebäude lag ein totes Kalb. Das teilte die Sicherheitsdirektion mit.

Bereits am 29. September hatte die zuständige Bezirkshauptmannschaft den Landwirt aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu treffen, sonst werde ihm der gesamte Rinder- und Schafbestand behördlich entzogen. Nachdem bis zum 4. Oktober keine Antwort gekommen war, wurde der Bauernhof überprüft.

Bewohner wehrten sich gegen Transport ins Krankenhaus
Beim Abtransport der toten Tiere am folgenden Tag war die 81- jährige Schwester des Bauern anwesend, bei der die Amtsärztin Verwahrlosung und Selbstgefährdung feststellte. Die alte Frau wehrte sich gegen eine Einlieferung in die Landesnervenklinik in Linz. Erst mit Unterstützung von zwei Gendarmen konnte sie in den Rettungswagen gebracht werden. Dabei trat die Frau einen Beamten mit ihren Füßen.

Der Landwirt war zunächst unauffindbar. Da die Behörden auch bei ihm Verwahrlosung und Selbstgefährdung annahmen, wurde eine Suchaktion, bei der auch ein Hubschrauber eingesetzt wurde, gestartet. Der 77-Jährige konnte schließlich in der Nähe seines Anwesens gefunden werden. Er weigerte sich zwar, in das Rettungsfahrzeug einzusteigen, leistete aber keinen aktiven Widerstand. Die Sicherheitskräfte konnten eine Gefährdung von weiteren Personen nicht ausschließen. Deshalb durchsuchten sie auch das Wohnhaus und den Wirtschaftstrakt. Dabei wurden zwei Jagdgewehre sichergestellt, anschließend wurde ein Waffenverbot verhängt.(apa)

6.10.2004 14:09