Montag, 4. Oktober 2004

Abgeschoben: Mutmaßlicher Mafioso Cakici wird in die Türkei ausgeliefert

  • Keine Beschwerde: Angeklagter akzeptiert das Urteil
  • In der Türkei wurde ein ganzer Zelltrakt für Cakici geleert

Der mutmaßliche türkische Mafioso Alaattin Cakici wird in die Türkei ausgeliefert. Dieser Entschluss fiel in einem öffentlichen Auslieferungsverfahren im Wiener Landesgericht. Den Anträgen seiner Verteidigung wurde nicht stattgegeben. Diese argumentierte, Cakici bekomme in der Türkei kein faires Verfahren, er werde im Gefängnis gefoltert und des Lebens bedroht. "Es gibt keine Anhaltspunkte für diese Bedenken", sagte Richter Peter Seda.

"Ich respektiere Ihr Urteil", sagte Cakici. "Ich will mich nicht beschweren. Ich respektiere es." Der mutmaßliche Mafiapate verzichtete somit auf Rechtsmittel. Sein Anwalt Karl Bernhauser werde sich bemühen, dass die Auslieferung so schnell wie möglich erfolge, sagte er. Cakici war Anfang Mai aus der Türkei geflohen und Mitte Juli in Graz festgenommen worden. Die Türkei hatte danach seine Auslieferung beantragt.

Eigener Zelltrakt für Cakici geleert
Zu Beginn der Verhandlung sprachen sich Alaattin Cakicis Verteidiger, Karl Bernhauser und Walter Rosenkranz, gegen eine Auslieferung aus. Der 51-Jährige, dem u.a. mehrfache Anstiftung zum Mord - darunter an seiner Ex-Ehefrau - und kriminelle Vereinigung vorgeworfen wird, sei in der Türkei drei Jahre lang in Isolationshaft gesessen. "Man hat für ihn einen Zelltrakt für 100 Personen geleert", sagte Bernhauser. Das habe bei ihm schwere Depressionen hervorgerufen. "Das ist eine Folter im Sinne der Menschenrechtskonvention. Eine Auslieferung ist daher unzulässig", erklärte der Anwalt.

Es sei die Absicht gewesen, seinen Mandanten in den Selbstmord zu treiben, sagte Bernhauser. Hier in Österreich dürfe er sogar mit anderen Gefangenen im Hof spazieren gehen. Wenn diese Anhaltung wirklich erfolgt sei, dann auf Grund der allgemeinen Gefährlichkeit der Person und der kriminellen Organisation, welcher er angehört, sagte dazu Staatsanwalt Michael Klackl.

Morddrohungen gegen den Paten
Verteidiger Bernhauser legte weiters ein E-Mail vor, zum Beweis dafür, dass Cakici seines Lebens bedroht wird. In dem Schreiben, das an den Bürgerdienst und das Justizministerium erging, stand, dass bei einer Auslieferung ein Anschlag auf Cakici geplant sei.

Sein Mandat sei kein gewöhnlicher Krimineller, er sei ein Aufklärer, der an der Niederschlagung eines Militärputsches in der Türkei beteiligt war, erklärte Bernhauser. Da herrsche ein hoher politischer Druck, um ihn wieder in die Türkei zu bekommen, sagte auch Rosenkranz.

"Türkische Gerichte sind für politische Weisungen nicht zugängig", meinte Richter Seda. Wenn in der türkischen Haft Menschenrechtswidrigkeiten bestehen würden, solle sich Cakici auf diplomatischen Weg an Österreich wenden. (apa/red)

4.10.2004 11:26