Freitag, 1. Oktober 2004

FORMAT: Wintertourismus-Manager stehen vor neuen Herausforderungen

  • Die Probleme: Billigflüge, Klimawandel und Veralterung
  • PLUS: Statements von Experten zur Tourismus-Zukunft

Lange, schneereiche Winter wie im letzten Jahr werden in Zukunft der Vergangenheit angehören. "Bis zu vier Grad höhere Temperaturen, besonders im Alpenraum und in den Wintermonaten" prophezeien Klimaforscher wie der Wie-ner Meteorologe Herbert Formayer für spätestens 2050.

"Es wird weniger Schneefall geben, der Schnee wird schnel-ler schmelzen, und die Tage, an denen die Temperaturen eine künstliche Beschneiung der Pisten zulassen, werden weniger."

Meteorologische Veränderungen
Der Rekordwinter 2003/04 mit seinen 58,1 Millionen Nächtigungen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur meteorologische Veränderungen bevorstehen. Vor allem der demografische Wandel macht sich bereits bemerkbar. "Die Gesellschaft wird älter und die Jugend urbaner", konstatierte der deutsche Sportwissenschaftler Christian Wopp letzte Woche in Sölden. In dem Tiroler Wintersportort tagten führende Tourismusexperten, um beim "Future Mountain"-Symposium gemeinsam über die Zukunft des Wintertourismus nachzudenken.

Gesundheitsbewusstsein
Einig sind sich die Fachleute, dass sich das wachsende Fitness- und Gesundheitsbewusstsein, das mit einer älter werdenden Gesellschaft einhergeht, positiv auf viele Regionen auswirkt. "In den vergangenen Jahren investierte man vom Burgenland bis nach Vorarlberg massiv in attraktive Wellnessangebote", weiß Arthur Oberascher, dem als Chef der Österreich Werbung die touristische Vermarktung des Landes obliegt.

Megamarkt Wellness
Besonderes Potenzial birgt die Bereitschaft der Gäste, für die eigene Gesundheit durchaus auch tiefer in die Tasche zu greifen. Knapp 100 Euro ist ihnen pro Tag das eigene Wohlbefinden wert.

Sorgenkind Jugend
"Zu wenige attraktive Angebote mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis im Zwei- und Drei-sternebereich, die auch für jüngere Zielgruppen interessant sind", beklagt hingegen der Präsident der Hoteliersvereinigung, Sepp Schellhorn. Hinzu komme, dass sich zumindest in Deutschland "die urbane Jugend weniger für Natur interessiert", wie der Kölner Sportökologe Ralf Roth analysierte. Mittelfristig könnte das für Sölden und Co zum Problem werden. Denn die deutschen Nachbarn sind mit 46 Prozent die wichtigsten Wintergäste. Roth: "Schon 2010 wird die Hälfte aller deutschen unter Zwanzigjährigen mindestens einen eingewanderten Elternteil haben. Damit steigt das Interesse für die Heimat der Eltern als Urlaubsdestination, während der Bezug zu den Bergen sinkt."

Schneemuffel emotionalisieren
Um diesem Trend gegenzusteuern, investiert die Österreich Werbung in deutschen Ballungszentren in "Berg- und Schnee-PR". Es gehe ganz klar darum, Schneemuffel zu emotionalisieren, erläutert Oberascher. Außerdem will er langfristig vorbauen und den Familienurlaub pushen, "denn bevor jemand Jugendlicher wird, ist er auf jeden Fall Kind". (Format Nr. 40/2004)

1.10.2004 15:49