Prachtbauten in Japan: Dior und Hermes konkurrieren auch bei Glas und Stahl!
- Luxusmarken investieren jetzt in Avantgardebauten
- Experimentierfeld dank großzügigen Bauvorschriften

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Nicht nur bei Tweed und Seide versuchen die großen Namen der Modeindustrie einander zu überbieten, auch bei Glas und Stahl liefern sich die Luxusmarken mittlerweile einen Wettkampf um die mutigsten und originellsten Prachtbauten. Das bevorzugte Gelände dieses millionenschweren Wettstreits ist Japan....
Der weltweit größte Markt für Luxusgüter bietet nicht nur eine zahlungskräftige Klientel, sondern auch genügend Spielraum bei den Bauvorschriften. Und so bringen Hermes, Dior, Gucci und Konsorten nicht nur Luxusartikel an den Kunden, sondern auch spektakuläre Neuerungen in die Stadtbilder japanischer Metropolen.
In Tokio gibt es zwei Luxusviertel, in denen berühmte Architekten wie Peter Marino, Renzo Piano oder die Japanerinnen Kumiko Inui und Kazuyo Sejimo ihren Ideen freien Lauf lassen können: Die Luxusmeile Omotesando und der leicht abschüssige Stadtteil Ginza. Aber auch in Osaka im Westen des Landes werden Filialen der weltberühmten Marken errichtet. "Es besteht der Wunsch, die Architektur als Werbeinstrument für die Marke zu nutzen", sagt David McNulty, Chef der Architekturabteilung bei Louis Vuitton. "Wir haben das gemacht, aber auch Prada und Hermes - und diese Häuser haben auch die finanziellen Mittel, neue Ideen in der Architektur auszuprobieren."
Chanel-Prachtbau
Die sind aber auch notwendig: 170 Millionen Dollar (138,7 Mill. Euro) zahlte Chanel für ein altes Gebäude an der Omotesando, um es abzureißen und sein neues zehnstöckiges Flaggschiff zu konstruieren, das im Dezember eröffnet werden soll. Allein die Fassade, die mit Tausenden Glasplatten das Tweedmuster der legendären Chanel-Kostüme imitiert, "kostet so viel wie ein nettes kleines Gebäude in Tokio", sagte Chanels Japanchef Richard Collasse bei der Vorstellung des Projekts im März. Ein Bienenkorb aus poliertem Stahl und hunderttausende computergesteuerte Leucht-Dioden runden das Kunstwerk ab.
Prada & Louis Vuitton
Die italienische Marke Prada baute ebenfalls in Tokio: Das Schweizer Architektenbüro Herzog und de Meuron entwarf ein Gebäude mit einem Vorplatz, "wie es in Europa üblich ist, damit das Ganze auch ein Ort für Kontakte ist", so die Erläuterung von Prada. Louis Vuitton errichtete sein erstes Prestigegebäude 2002 in Omotesando, ein vom Architekten Jun Aoki entworfener Quader aus fünf aufgeschichteten Einheiten, der an den ersten Reisekoffer der Lederwarenmarke von 1854 erinnern soll. In Osaka, wo Vuitton im Oktober seinen zweiten japanischen Prachtbau eröffnen will, ließ sich Architekt Kumiko Inui vom nicht minder berühmten Schachbrettmuster der Marke inspirieren.
Luxustempel von Dior, Gucci und Hermes
Auch Dior lässt sich sein architektonisches Image in Japan etwas kosten: Rund 30 Millionen Euro zahlte die Firma für ihr im Dezember eingeweihtes Gebäude in Omotesando, noch in diesem Oktober soll ein weiteres in Ginza eröffnet werden. Auch Gucci baut in Japan, während Hermes schon seit 2001 mit einem 128 Millionen Euro teuren Luxustempel vertreten ist. Das Werk von Renzo Piano, Architekt des Centre Pompidou in Paris oder des Konzertsaales Parco della Musica in Rom, baute mit Glasziegeln, jeder einzelne von einem italienischen Glaser gegossen. Der Glasbau sieht nachts völlig verwandelt aus: "Das ist die Schönheit dieser Stadt, die totale Verwandlung zwischen Tag und Nacht", schwärmte Piano bei der Einweihung.
Großzügige Bauvorschriften
Doch nicht nur der Charme der nächtlichen Beleuchtung ist für Architekten in Tokio von Interesse: Ganz Japan sei "ein Vorreiter bei der architektonischen Entwicklung. Die japanischen Städte genehmigen in der Architektur zahlreiche Experimente. Die Bauvorschriften sind viel weniger streng als in historischen Städten Europas wie Paris oder Wien", so McNulty von Vuitton. Diese Entwicklung werde sich "auf andere Städte und Kulturen ausdehnen", glaubt der Architekturexperte. "Und das wird für Architekten in der ganzen Welt gut sein."
(apa/red)
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