Mittwoch, 29. September 2004

WOMAN: Rückenschmerzen ade. So hilft das Kieser-Training gegen Kreuzweh!

  • Medizinisches Krafttraining soll die Pein im Kreuz heilen
  • DURCHKLICKEN: Die Dos & Don'ts für Ihre Wirbelsäule

Boom Kieser-Training. Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten. Ein medizinisches Krafttraining soll die Pein im Kreuz dauerhaft heilen. WOMAN verrät, was es wirklich kann.

Eigentlich ist die Evolution schuld an den Rückenschmerzen, die 85 Prozent der Österreicher quälen. Genauer gesagt, unser aufrechter Gang. Dieser bewirkt nämlich die unangenehme Pein im Kreuz - denn bei der Entwicklung des Menschen vom Vierbeiner zum Zweibeiner haben Wirbelsäule und Rückenmuskulatur Funktionen übernommen, für die sie im Grunde nicht gebaut sind. Chronischer Bewegungsmangel, zu langes Sitzen, Übergewicht sowie Verspannungen durch Stress geben dem Kreuz den Rest: Die Rücken- und Bauchmuskulatur erschlafft.

Kieser-Training
Diese Schwäche war auch dem Schweizer Trainer Werner Kieser bewusst. Und so entwickelte er bereits 1967 ein Trainingskonzept, das dem Kreuz mit dem Kreuz ein Ende bereiten sollte. Mit großem Erfolg - denn heute ist das nach ihm benannte Kieser-Training populärer denn je. Aber wie genau funktioniert es?

WOMAN recherchierte vor Ort im "Gesundheitsressort Bad Tatzmannsdorf"
Therapie. "Das Training kann sowohl in der Therapie als auch in der Prävention gegen Rückenbeschwerden eingesetzt werden", erklärt Oliver Kurien, Leiter des "Gesundheit Aktiv"-Bereichs in Bad Tatzmannsdorf. Für die einzelnen Körperabschnitte kommen unterschiedliche Geräte zum Einsatz. Sie sind auch für Menschen mit gröberen Rückenproblemen geeignet. Ein Arztbesuch vor dem Start ist allerdings Bedingung.

Zu Beginn jedes Trainings nach Kieser erfolgt eine Analyse der Wirbelsäulenfunktion an der so genannten Therapiemaschine: Die tief liegenden Rückenmuskeln werden dabei auf Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer geprüft. Aus den Ergebnissen erstellt der speziell ausgebildete Trainer dann ein maßgeschneidertes Programm: Bei chronischen Kreuzschmerzen etwa liegt der Fokus der Therapie auf der Lendenwirbelsäule. In zwölf bis achtzehn Einheiten werden die tief liegenden Muskeln mithilfe der Therapiemaschine so weit gestärkt, dass Schmerzen gänzlich verschwinden. Wichtig: Gesäß- und Beinmuskulatur dürfen nicht mithelfen. Daher wird der Patient so in die Maschine eingeklemmt, dass nur die Rumpfmuskulatur arbeitet.

Prävention. Die Kieser-Methode hilft nicht nur Schmerzpatienten. Präventiv eingesetzt, beugt sie Haltungsschäden und Verspannungen vor. Dabei kommen zusätzlich zur Therapiemaschine mehrere Spezialgeräte zum Einsatz, die die gesamte oberflächliche Muskulatur des Körpers stärken. Denn an einer dauerhaften Entlastung der Wirbelsäule sind viele Muskeln beteiligt (siehe Bild nächste Seite).

Kein Schummeln. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die beim Kieser-Training eingesetzten "MedX"-Geräte nicht wesentlich von herkömmlichen Kraftmaschinen in Fitness-Tempeln. Erst der zweite Blick enttarnt das komplexe System des "medizinischen" Trainingskonzeptes: "Die verstellbaren Geräte werden jeder Muskelgruppe und dem Körper angepasst, die Gelenke werden dabei geschont", so Kurien.

Studios. Wesentlich beim Training an den Maschinen ist eine ruhige Durchführung. Das merken Besucher der Kieser-Studios an der stillen, fast asketischen Atmosphäre. Hier lenkt nichts vom Zweck des Besuches ab. Dafür genügt es, das ganzheitliche, 30-minütige Training ein- bis zweimal pro Woche zu absolvieren. Anstrengend ist es dennoch: "Aber nur so wird der Rücken gestärkt", weiß Kurien.

Allrounder. Kieser-Training bewirkt sogar noch mehr: Es trainiert den Beckenboden, unterstützt den Fettabbau und reduziert Zellulite. Auch die Knochen profitieren davon: "Knochendichte kann aufgebaut werden. Man beugt Osteoporose vor."

Studios in Österreich:
Graz, Tel.: 0316/72 25 55; Salzburg, Tel.: 0662/87 28 18; Wien, Tel.: 01/319 77 70. Kosten: 12 Monate ab 430 Euro.
(Aus WOMAN 19/2004)


29.9.2004 12:31