Mittwoch, 29. September 2004

Gouvernator gibt Gas

  • Ein Jahr Politstar Schwarzenegger: Die Erfolgs-Bilanz

Erfolgsmotor „Arnie“ als Star der US-Politszene: Sein Optimismus bremst Kritiker aus.

Arnold Schwarzenegger regiert Kalifornien, die sechstgrößte Volkswirtschaft der Erde, von einem weißen Zelt aus: fünf mal fünf Meter groß, unmittelbar vor seinem Büro im prächtigen Kuppelbau des Kapitols von Sacramento. Der merkwürdige Arbeitsraum ist luxuriös, aber sparsam eingerichtet: ein paar Rattan-Stühle, ein Luftbefeuchter, ein Ventilator an der Decke, ein Regal mit zum Teil selbst verfassten Büchern, ein schwerer Kristall-Aschenbecher auf dem Tisch. Der ist der Grund dafür, dass Arnie sich diese extravagante Außenstelle hat errichten lassen: Angesichts der strikten Nichtrauchergesetze des Landes hätte er auf seine dicken Zigarren verzichten müssen. Im Zelt darf er qualmen: Es liegt sieben Meter vom Kapitol entfernt – genau der Abstand, den Raucher von Amtsgebäuden mit Parteienverkehr einhalten müssen.

Arnies Zelt ist mehr als ein Gag. Hier wird nicht nur gearbeitet, hier fallen auch wichtige Entscheidungen. Hierher lädt er Politiker zu Budgetverhandlungen, Journalisten zu Interviews, Topmanager zu Standortgesprächen. Dass die Medien ausführlich über den ungewöhnlichen Arbeitsplatz berichten, ist kein Zufall. Nichts plant der vom Schauspieler zum Politiker mutierte Weltstar gründlicher als das Medienecho über seine Amtsführung.

Erfolgsbilanz. Über die wird ein Jahr nach seinem sensationellen Wahlsieg viel geschrieben – und fast nur Gutes. Mit 65 Prozent Zustimmung zählt der aus Österreich eingewanderte Exbodybuilder zu den populärsten Politikern der USA. Auch wenn ihm sein in Hollywood erworbener Weltruhm den Einstieg in die Politik erleichterte, die Jahresbilanz ist Ergebnis rundum erfolgreicher Arbeit:

  • Noch am Tag seiner Inauguration hatte er die verhasste Autosteuer aufgehoben und ein wichtiges Wahlversprechen gehalten.

  • Kurze Zeit später verabschiedete er eine Reform der unfinanzierbar gewordenen Arbeitsplatzversicherungen, an der seine Vorgänger gescheitert waren.

  • Per Volksabstimmung ließ er sich einen 15-Milliarden-Kredit zur Überbrückung der enormen Defizite Kaliforniens genehmigen und hat nun Zeit, das fiskalische Debakel seines Vorgänger Gray Davis auszubügeln.

  • Im Sommer drückte er nach einem Verhandlungsmarathon sein 102-Milliarden-Dollar-Budget durch.

  • Mit den durch Kasinos steinreich gewordenen Indianerstämmen schloss er einen Deal ab, der eine Milliarde Dollar in die Staatskasse leitete.

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    29.9.2004 16:13