Mittwoch, 29. September 2004

Diese Habsburgs: Die wichtigsten Familienmitglieder im Porträt

  • 200 Habsburger pilgern am Wochenende nach Rom
  • Was der Clan vom seligen Ahnherrn Karl hält

Die letzten Habsburger: Wo sie wohnen, wie sie leben, was sie besitzen.

Manche glaubten sich verhört zu haben, als der Direktor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, Ehrengast Otto Habsburg wenig republikanisch begrüßte: „Im Schatzhaus der kaiserlichen Sammlungen stehe ich nicht an, das Oberhaupt der Familie Habsburg als Seine Kaiserliche Hoheit begrüßen zu dürfen.“ Postwendend hagelte es Kritik und eine parlamentarische Anfrage der selbst ernannten Hüter der Demokratie: Seipel wurde monarchistische Wiederbetätigung vorgeworfen.

Obwohl das Habsburgerreich seit über achtzig Jahren Geschichte ist, polarisiert die mythenumrankte Familie noch immer. Jüngster Stein des Anstoßes: die viel diskutierte Seligsprechung von Karl, dem letzten Kaiser, kommenden Sonntag in Rom (ORF 2 überträgt). Von den einen wegen Giftgaseinsatzes im Ersten Weltkrieg als Kriegsverbrecher bezeichnet, wird er vom Vatikan als wohltätiger Wunderheiler der Krampfadern einer polnischen Nonne in den Himmel gehoben. Drahtzieher der Seligsprechung war eine obskure Gebetsliga rund um Bischof Kurt Krenn und Karl-Leibbiograf Erich Feigl.

Familienfete. Zum dreitägigen Familienfest am Petersplatz und den umliegenden Sakralstätten reisen neben Vertretern des schwarz-blauen Österreichs fast alle 200 Familienmitglieder des Hauses Habsburg an – Vincenz Liechtenstein gleich in zweifacher Funktion: als ÖVP-Abgeordneter zum Nationalrat und als waschechter Enkel des Geehrten. Liechtenstein, durchlaucht: „Von Wunderheilungen versteh ich nichts, da muss ich mich auf die Kirche verlassen. Die Seligsprechung zeigt aber, dass der Heilige Vater die Bemühungen Kaiser Karls zur Beendigung dieses schwachsinnigen Krieges anerkennt.“

Schutzengel. Auch die fünfte Tocher von Karls Ältestem, Otto, Walburga Habsburg Lothringen – verheiratete Douglas und von Brotberuf Generalsekretärin der Paneuropa-Bewegung –, stimmt in den Jubel ein: „Die Familie freut sich wahnsinnig, weil Karl für die Familie immer ein Vorbild war. Die Seligsprechung hat nicht die Familie initiiert, wir waren nur Zuschauer.“ Sogar Heilmasseurin Camilla Habsburg, die als entfernte, verbürgerlichte Verwandte aus der Toskana-Linie im offiziellen Stammbaum nicht mehr zu finden ist, freut sich über das Habsburg-Recycling: „Jetzt hat die Familie einen eigenen Fürsprecher im Himmel – sie kann es brauchen!“

Was blieb tatsächlich vom Habsburger-Mythos, versinnbildlicht im Doppeladler?, fragt NEWS und schreitet folglich zum Gesamtporträt des traditionsbeladenen Hauses Habsburg.

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29.9.2004 15:22