Freitag, 1. Oktober 2004

Prognose von IHS und Wifo: Österreichs Wirtschaft wächst heuer um zwei Prozent

  • Für 2005 erwarten Forscher bereits ein Plus von 2,5 %
  • Steuerreform kurbelt 2005 Konsumausgaben an

Österreichs Wirtschaft wächst dieses Jahr real um zwei Prozent und im kommenden Jahr um zweieinhalb Prozent. Davon gehen die beiden Forschungsinstitute Wifo und IHS in ihrer am Freitag vorgelegten Herbstprognose aus. Getrieben wird das Wachstum heuer vor allem von den Exporten und nächstes Jahr von den Effekten der Steuerreform, die auch die Binnennachfrage etwas ankurbeln sollte.

Gegenüber der letzten Prognose von Anfang Juli hat das Wifo seine Wachstumserwartung für 2004 von 1,7 auf 1,9 Prozent angehoben, das Institut für Höhere Studien bleibt bei den schon damals genannten 2,1 Prozent BIP-Plus. Für 2005 gehen beide Institute - wie schon vor drei Monaten - von einem etwas stärkeren Realwachstum von 2,5 Prozent aus, das dann sogar über dem Durchschnitt des Euro-Raums liegen sollte.

Der Arbeitsmarkt in Österreich wird sich trotz der dynamischeren Konjunktur aufs Erste nicht entspannen. Zwar soll heuer und nächstes Jahr die Beschäftigtenzahl um 0,7 bis 0,8 Prozent oder jeweils mehr als 20.000 Menschen steigen. Wegen des höheren Arbeitskräfteangebots wird die Zahl der Arbeitslosen aber nur um rund 5.000 sinken. Die Arbeitslosenrate nach EU-Definition dürfte damit 2005 von heuer 4,2 Prozent nur auf 4,1 Prozent zurückgehen und sich nach heimischer Berechnung von 7,1 auf 6,9 Prozent verringern, nehmen das Wirtschaftsforschungsinstitut und das IHS unisono an.

Hoher Ölpreis bremst
Der hohe Ölpreis bleibt ein Risikofaktor, wird die Konjunktur aber nur unwesentlich dämpfen, so IHS und Wifo. "Das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern dürfte dadurch "zwar gedämpft" werden, "der Konjunkturaufschwung sollte aber nicht abbrechen", so das Wifo. Das Budgetdefizit sehen beide Institute heuer bei 1,3 Prozent des BIP und kommendes Jahr bei 1,9 (Wifo) bzw. 1,8 Prozent (IHS).

Neuverschuldung bei mindestens zwei Prozent des BIP
Die heimischen Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass das Defizit im österreichischen Bundesbudget im kommenden Jahr zumindest auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigt. Grund dafür sind vor allem Steuersenkungen im Ausmaß von 1,5 Mrd. Euro, die den Finanzierungssaldo des Staates um 3/4 Prozent des BIP verschlechtern. Allerdings ermöglicht die Steuerreform 2005 mehr Konsum und bringt so zusätzlich 0,3 Prozentpunkte BIP-Wachstum.

Das Institut für Höhere Studien (IHS) sieht den Abgang im Bundeshaushalt 2005 in einer "groben Schätzung" bei 2,2 Prozent, wie der Finanzexperte Ulrich Schuh am Freitag bei der Präsentation der Herbstprognose von IHS und Wifo sagte. Seitens der Länder sei dabei ein Überschuss von 0,4 Prozent des BIP unterstellt, sagte Schuh auf die Anmerkung in einer Frage, dass seitens der Bundesländer ja wohl nicht nochmals ein Budgetüberschuss von 0,75 Prozent zu erwarten sei.

Das gesamtstaatliche Defizit Österreichs laut Maastricht sehen beide Institute heuer bei 1,3 Prozent des BIP und kommendes Jahr bei 1,9 (Wifo) bzw. 1,8 Prozent (IHS). Der hohe Abgang sei primär auf geringere Steuereinnahmen zurückzuführen, heuer auf teils auch unerwartete Steuerausfälle und 2005 auf die Mindereinnahmen durch die Steuerreform, so das Wifo. Jedoch stütze die Reform den Wirtschaftsaufschwung und verbessere die Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Österreich, vermerkt das IHS positiv.
(apa)

1.10.2004 15:38