Freitag, 1. Oktober 2004

Kritik an Staatshilfe für KarstadtQuelle: Handwerkspräsident sprocht von "Skandal"

  • Bundesregierung könne "nicht Retter in der Not spielen"
  • Schröder kündigte zuvor an, "alles zur Sanierung zu tun"

Die Kritik an möglicher staatlicher Unterstützung für den angeschlagenen deutschen Handelskonzern KarstadtQuelle wird lauter. Es sei "skandalös", wenn einem Großkonzern "mit den vom Mittelstand und seinen Mitarbeitern aufgebrachten Steuer- und Beitragsmitteln" geholfen werden solle, seine Probleme zu lösen, sagte Handwerkspräsident Dieter Philipp.

Er bezog sich auf die Ankündigung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), die Bundesregierung werde im Rahmen ihrer - allerdings begrenzten - Möglichkeiten alles tun, um die "notwendige Sanierung" von KarstadtQuelle zu unterstützen. Auch die CDU wies Forderungen aus ihrer Schwesterpartei CSU nach einem Eingreifen des Staates zurück.

"Das Handwerk nimmt mit Empörung zur Kenntnis, welchen Stellenwert die Bundesregierung der angeschlagenen Aktiengesellschaft KarstadtQuelle gibt", sagte Philipp. "Was ist mit den um ihre Existenz ringenden mehr als drei Millionen mittelständischen Unternehmen?", fragte der Handwerkspräsident. Diesen Betrieben helfe im Einzelfall keiner. Die Einmischung der Politik, wenn "es wieder einmal um die Folgen der verfehlten Geschäftspolitik eines Großunternehmens geht", sei nicht hinzunehmen. Am Vortag hatte bereits der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) ein Notprogramm wegen der Krise bei KarstadtQuelle zurückgewiesen. Damit sei den Einzelhändlern nicht geholfen.

Die Bundesregierung könne "nicht den Retter in der Not spielen und Unternehmensstrategien durch politische Entscheidungen ersetzen", sagte der CDU-Wirtschaftsexperte Matthias Wissmann dem "Tagesspiegel" (Freitagausgabe). Die Forderungen seines CSU-Kollegen Johannes Singhammer vom Vortag, Schröder solle die KarstadtQuelle-Krise "zur Chefsache" machen, nannte er "rundweg falsch". Schröder selbst hatte dem Konzern am Donnerstag zwar in begrenztem Rahmen Unterstützung zugesagt, zugleich aber von "Managementversagen in seiner krassesten Form" gesprochen.
(apa/red)

1.10.2004 15:00