Mittwoch, 29. September 2004

Wirtschaftskammer: Handel rechnet heuer mit dem vierten Umsatzminus in Folge

  • WK-Obmann: Private Nachfrage bleibt weiter zurück
  • Strukturwandel: 500.000 m2 neue Verkaufsflächen

Der heimische Handel ist für das Jahr nicht mehr so optimistisch wie noch zu Jahresbeginn: "Ich habe es gehofft, aber wie es jetzt aussieht, wird es heuer nicht besser als im Vorjahr" sagte der Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Erich Lemler. Er rechnet mit einem Minus, wenn auch kleiner als im ersten Halbjahr, als der Umsatz real um 1,1 Prozent unter dem Vorjahresvergleichswert lag. Damit sei der Handel "im vierten Geschäftsjahr, wo wir reales Minus verzeichnen", so Lemler am Mittwoch.

In den Monaten Juni, Juli und August seien die Geschäfte relativ gut gelaufen, nicht zuletzt weil die Händler beim Schlussverkauf mit Rabatten von im Schnitt 30 Prozent heuer vernünftiger vorgegangen seien als im Jahr davor. Lemler: "Es scheint, dass viele verstanden haben, dass man ohne Ertrag nicht arbeiten kann". Im September sei der Start schlecht gewesen. Erst seit vergangenem Samstag zeichnete sich eine Besserung ab.

"Die Exporte haben sich gut entwickelt, die private Nachfrage bleibt aber weiter zurück", betonte der Handelsobmann. Der Handel spüre eben die gestiegene Sparneigung - die Sparquote liegt bei 8,4 Prozent - und Verunsicherung der Österreicher besonders stark. Hoffnungen setzt man jetzt auf die Steuerreform, weil den potenziellen Kunden damit wieder mehr im Börsel bleibe.

Der Strukturwandel im Handel geht gleichzeitig ungebremst weiter: Allein zwischen 1995 und 2003 sank die Zahl der aktiven Mitglieder in der Sparte Handel im Lebensmittelhandel um 18 Prozent auf 13.785, im Textilhandel um 27 Prozent auf 10.213. Zuwächse gab es dagegen bei Computer- und Handyhändlern, aber auch im Direktvertrieb, wo gar ein Plus von 112 Prozent verzeichnet wurde.
(apa)

29.9.2004 14:30