Mittwoch, 29. September 2004

Neue Studie zeigt: Standort Österreich wird zum Steuerparadies für Unternehmen!

  • Unternehmenssteuern mit Ost-Nachbarn ebenbürtig
  • Ab 2005 wird sogar die "Steueroase" Slowakei eingeholt

Der Wirtschaftsstandort Österreich ist schon mit den derzeit geltenden Sätzen zwei "östlichen" Nachbarländern in Sachen Unternehmensbesteuerung ebenbürtig. Nach der Senkung des Körperschaftssteuer (KöSt) von 34 auf 25 Prozent ab 1.1.2005 muss sich der Steuerstandort Österreich auch im Vergleich zum Niedrigsteuerland Slowakei nicht verstecken. So lässt sich der Tenor einer am Dienstag vorgestellten vergleichenden Analyse des internationalen Consultingunternehmens KPMG zusammenfassen.

Dabei hat Österreich mit 34 bzw. ab demnächst 25 Prozent wesentlich höhere Steuersätze als seine Nachbarn: Die Körperschaftsteuer in der Slowakei beträgt 19 Prozent (flat tax), jene in Ungarn 16 Prozent, die in Tschechien 28 Prozent.

Das Geheimnis, warum die faktische Steuerlast bei uns trotzdem nicht stärker drückt als bei den Nachbarn verbirgt sich im Begriff "Bemessungsgrundlage", erklärte Verena Trenkwalder, Steuerexpertin der KPMG Linz: Österreich habe günstigere Abschreibungsregelungen für Maschinen, großzügigere Abzugsmöglichkeiten beim "Schwund" etwa von Betriebsmaterialien sowie bessere Vorgaben in Sachen Rückstellungen oder Repräsentationsaufwendungen. Die Folge: Alle drei untersuchten Nachbarländer haben "signifikant höhere Bemessungsgrundlagen", was nach den KPMG-Berechnungen zur Folge hat, dass Österreich nach der KöSt-Senkung dem Niedrigsteuerland Slowakei ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen ist.

Die effektive Unternehmensbesteuerung liegt laut KPMG in der Slowakei zwischen 23 und 27 Prozent und sei damit mit der österreichischen 25-Prozent-Besteuerung ab 2005 vergleichbar; deutlich schlechter sei dagegen die faktische Unternehmenssteuerlast in Tschechien und Ungarn, wo sie bei rund 30 Prozent angesiedelt ist. In Ungarn muss zur niedrigen Körperschaftsteuer eine Gewerbesteuer gerechnet werden, die grob kalkuliert gleich hoch ausfällt wie die KöSt selbst.

Als Plädoyer für eine Erhöhung der Unternehmensbesteuerung in Österreich will die KPMG die Ergebnisse ihrer Studie freilich keineswegs verstanden haben: "Wenn Österreich diese steuerlichen Standortvorteile aus der Hand gibt, schaden wir uns intensiv", warnte die Steuerexpertin. Würden die Nachbarländern erneut Steuern senken, müsse Österreich ebenfalls reagieren, forderte sie. Ein günstiger KöSt-Steuersatz sei psychologisch wichtig und habe zur Folge, dass die Alpenrepublik bei Standortentscheidungen ins Spiel gebracht werde, für die es früher nie in Betracht gekommen wäre. Klar sei aber auch, dass es "aus rein steuerlicher Sicht keinen Sinn macht, den Produktionsstandort zu verlegen", sagte Trenkwalder in Richtung ihrer österreichischen Klientel.

Die von KPMG angestellte Analyse erfolgte ohne konkreten Auftrag und reagiert nach Darstellung des Beratungsunternehmens auf das Interesse österreichischer Kunden an möglichen steuerlichen Vorteilen einer Verlegung von Produktionsstandorten. (apa)

29.9.2004 07:48