Dienstag, 28. September 2004

Wegen Verzögerung der Unterschrift: Liefertermin 2007 für Eurofighter wackelt

  • Vertrag wird aber erfüllt, betont Eurofighter Gmbh-Chef
  • Verteidigungsressort glaubt an termingerechte Lieferung

Der vereinbarte Liefertermin Mai 2007 für die ersten österreichischen Eurofighter bereitet den Produzenten des Jets Kopfzerbrechen. Grund ist die Verzögerung der endgültigen Beauftragung jener Fertigungstranche, aus der die österreichischen Maschinen kommen sollen. "Im Schulterschluss" mit den vier am Eurofighter-Programm beteiligten Nationen Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien werde Eurofighter den Vertrag aber erfüllen, betonte Aloysius Rauen, Chef der in Hallbergmoos nahe München angesiedelten Eurofighter GmbH, am Dienstag vor Journalisten. Im Verteidigungsministerium geht man von einer fristgerechten Lieferung aus.

Über Details ließ sich Rauen unter Hinweis auf die mit dem Verteidigungsministerium in Wien vereinbarte Vertraulichkeit nicht aus. "Wir stehen am Boden des Vertrages", wiederholte er nur.

Nötig sei jedenfalls der "Schulterschluss" mit den vier Partnernationen. Die Lösung der Probleme sei derzeit Gegenstand von Gesprächen mit diesen, aber auch mit Österreich. Eine Aussage von Programmdirektor Brian Phillipson etwa, der meinte, die ersten Maschinen aus Tranche 2 sollen nach dem aktuellen Zeitplan gegen Ende 2007 fertig gestellt sein, sei nur als Momentaufnahme zu verstehen.

Bereits einmal Verschiebung um ein halbes Jahr
Die vier Nationen wüssten, dass sie der Industrie, den Produzenten des Jets also, die Situation nicht leicht machten, so Rauen weiter. Die Eurofighter GmbH sei vor der Unterzeichnung des Vertrages, der zur Lieferung im Mai 2007 verpflichtet, "ermutigt" worden, dass der Zeitplan halten könne. Tatsächlich ist die Unterschrift von den Partnernationen dann aber verschoben worden. Zuerst von Ende 2003 auf Sommer 2004, jetzt hofft man in Hallbergmoos, bis Jahresende alles unter Dach und Fach zu haben.

Nötig ist der Abschluss wegen des Aufbaus des Programms: Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien wollen zwar insgesamt 620 Eurofighter beschaffen, haben diese Anzahl aber in drei Tranchen mit jeweils erweiterten Fähigkeiten unterteilt. Tranche 1 umfasst 148, Tranche 2 und drei jeweils 236 Maschinen. Die Unterzeichnung der Vereinbarung scheiterte bisher an Großbritannien, wo die Preisverhandlungen mit BAE Systems, dem britischen Industrie-Partner im Programm, noch nicht abgeschlossen waren.

Stillstände bei Produktion drohen
Für das Eurofighter-Programm insgesamt entstehen durch die Verzögerung Probleme, betonte Rauen. Man habe sich zwar bemüht, die Fertigung von Tranche 1 zu strecken, in manchen Bereichen werde es aber dennoch Stillstände bei der Produktion geben.

Der Vertrag mit Österreich freilich werde erfüllt, meinte er. Österreich habe ausgezeichnete Vereinbarungen ausverhandelt, denen man zugestimmt habe, weil es sich bei dem Land um den ersten Exportkunden des Kampfjets handle.

Viel zufriedener ist Rauen jedenfalls mit dem, was Eurofighter bereits erreicht habe. An die vier Partnernationen seien bereits 31 Maschinen ausgeliefert, von den Piloten gebe es überwiegend positive Rückmeldungen. Den Status des Programms habe man überwunden: "Wir haben ein Serienprodukt. Punkt."

Rauen wies auch Berichte zurück, der Eurofighter sei praktisch nicht flugtauglich. Zu Berichten über eine nur geringe Zahl von bereits absolvierten Flugstunden der deutschen Luftwaffe meinte er, derzeit befinde man sich in der Phase des "Truppenversuchs". Dies bedeute, dass das neue System umfassend getestet werde. Dies betreffe nicht nur das Fliegen an sich, sondern etwa auch Wartung und Logistik.

Verteidigungsressort glaubt an termingerechte Lieferung
Im österreichischen Verteidigungsministerium geht man weiter fix davon aus, dass die ersten Eurofighter gemäß dem Kaufvertrag ausgeliefert werden. 2007 werden die ersten Flugzeuge in Österreich sein, hieß es am Dienstag auf Anfrage der APA. Eurofighter-Chef Aloysius Rauen hatte am Dienstag darauf hingewiesen, dass der Liefertermin wegen einer Verzögerung im internationalen Eurofighter-Programm Kopfzerbrechen bereite. Der Vertrag mit Österreich werde aber eingehalten, hatte er betont.
(apa)

28.9.2004 14:18