Österreichs Konjunktur gewann im 2. Quartal an Fahrt: BIP-Wachstum um 0,9 %
- Im ersten Vierteljahr lag Wachstum bei nur 0,4 Prozent
- Wirtschaftsleistung damit um 1,9 Prozent über Vorjahr
Österreichs Konjunktur hat im 2. Quartal spürbar an Fahrt gewonnen. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beschleunigte sich nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) gegenüber dem Vorquartal deutlich auf +0,9 Prozent, nach +0,4 Prozent saisonbereinigtem Anstieg im 1. Quartal.
Das reale BIP war damit heuer im Zeitraum April bis Juni um 1,9 Prozent höher als im 2. Quartal 2003, wie das Wifo am Dienstag mitteilte. Die Wachstumsimpulse kamen von der regen Exportnachfrage, während der private Konsum gegenüber dem Vorquartal nur mäßig zunahmen (+0,5 Prozent) und die Anlageinvestitionen leicht zurückgingen. Im Erstquartal war die heimische Wirtschaftsleistung real erst um 0,8 Prozent über der gleichen Vorjahresperiode gelegen.
Sachgütererzeugung am stärksten
Im Jahresabstand am stärksten gesteigert wurde die reale Wertschöpfung in Österreich im 2. Quartal laut Wifo in der Sachgütererzeugung (+4,8 Prozent) und im Realitätenwesen (samt unternehmensnahen Dienstleistungen; +3,5 Prozent). In den meisten anderen Dienstleistungsbranchen blieb die Konjunktur noch schwach. Der Handel übertraf den realen Vorjahreswert wie das Hotel- und Gaststättenwesen um 1,6 Prozent. Die Exporte boomten regelrecht.
Die Nachfrage der privaten Haushalte nach Konsumgütern wuchs im Vorjahresvergleich weiterhin mäßig (real +1,8 Prozent). Der öffentliche Konsum stagnierte hingegen (+0,2 Prozent). Nach wie vor sei diese Nachfragekomponente von Sparbemühungen im öffentlichen Dienst geprägt, so Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut am Dienstag.
Nach der lebhaften Investitionstätigkeit im Vorjahr weitete die heimische Wirtschaft demnach im 2. Quartal ihre Ausgaben für Ausrüstungsinvestitionen kaum mehr aus (real +1,0 Prozent). Sowohl die Investitionen in Maschinen und Elektrogeräte (+1,5 Prozent) als auch in Fahrzeuge (-0,7 Prozent) entwickelten sich gedämpft.
Hatten sich die Bauinvestitionen im Vorjahr deutlich belebt, so war seit Anfang 2004 kein weiterer Zuwachs zu verzeichnen. Im 2. Quartal war die Nachfrage etwas geringer als im Vorjahr (real -0,4 Prozent), im 1. Quartal etwas höher (+0,5 Prozent). Die Investitionen in Wohnbauten stiegen real um 2,7 Prozent, jene in andere Bauten wurden um 2,0 Prozent gekürzt.
Eine kräftige Steigerung der österreichischen Exporte setzte erst gegen Ende des 1. Quartals ein. Im Durchschnitt der ersten drei Monate erreichte die Rate real nur +4,3 Prozent, im 2. Quartal aber +15,3 Prozent. Der Export von Dienstleistungen stagnierte (-0,2 Prozent), die darin enthaltenen Reiseverkehrsexporte wuchsen um 1,5 Prozent. Insgesamt übertraf der Export das Ergebnis des 2. Quartals real um knapp 11 Prozent.
Parallel zu den Exporten wuchs auch die Importnachfrage kräftig. Die Wareneinfuhr nahm im 2. Quartal real um 9,7 Prozent zu (1. Quartal +2,1 Prozent). Auf Grund der deutlichen Ausweitung der Reiseverkehrsimporte (+4,3 Prozent) erhöhte sich die Dienstleistungseinfuhr um 2,2 Prozent. Der Import i. w. S. übertraf das Vorjahresergebnis um 7,4 Prozent.
Am Freitag dieser Woche legen das Wifo und das Institut für Höhere Studien (IHS) ihre neuen vierteljährlichen Konjunkturprognosen vor. Zuletzt erhöhte das Wifo Anfang Juli seine Wachstumsprognose für 2004 und 2005 um je 0,2 Prozentpunkte auf heuer 1,7 Prozent und kräftige 2,5 Prozent nächstes Jahr. Das IHS, das schon im April eine optimistischere Prognose vorgelegt hatte, ließ seine BIP-Wachstumserwartungen vor drei Monaten unverändert bei 2,1 Prozent für heuer und 2,5 Prozent für nächstes Jahr.
(apa)

