Samstag, 2. Oktober 2004

Austria in lukrativer Gruppenphase: Kronsteiner sitzt fest im Trainersattel

  • UEFA-Cup-Erfolg kostete hingegen Legia-Coach Posten
  • PLUS: Die möglichen Gegner in der Gruppenphase

Mit dem souveränen Aufstieg in die UEFA-Cup-Gruppenphase fiel der Wiener Austria ein großer Stein vom Herzen. Der erste Europacup-Auswärtssieg seit 1995 öffnete dem Vizemeister das Tor zu zumindest vier weiteren Spielen auf europäischer Bühne und garantiert zusätzliche Einnahmen bis zu 2,5 Millionen Euro. Der abgeklärte und starke Auftritt der Wiener beim 3:1 in Warschau wischte gleichzeitig auch sämtliche Gerüchte rund um das Trainer-Team von Teammanager Günter Kronsteiner vom Tisch. "Die Mannschaft spielte auch für uns", meinte Kronsteiner nach dem Schlusspfiff im Warschauer Hexenkessel erleichtert.

"Ich habe zu ihnen gesagt: 'Wenn ihr euch wohl fühlt, dann zeigt das auch'. Und das haben sie gemacht. Wir haben nicht glücklich, sondern völlig verdient gewonnen", war der 51-Jährige nach dem Aufstieg gegen Legia mit dem Gesamtscore von 4:1 hoch zufrieden. Nun wartet alles gespannt auf den Dienstag, an dem in Nyon die Auslosung der am 21. Oktober beginnenden, lukrativen Gruppenphase stattfindet.

Abgesehen von den finanziellen Folgen freute sich Austrias Führungsetage vor allem über das wiedergewonnene Prestige. "Frank Stronach hat viel Herzblut und Geld investiert und kann jetzt schöne Erfolge ernten. Wir haben uns auf der internationalen Bühne festgesetzt", meinte Vize-Präsident Andreas Rudas, der vom größten Erfolg in der Stronach-Ära nach dem Meistertitel 2003 sprach. Rudas hebt vor allem die sportliche Bedeutung hervor: "Die Mannschaft hat nun die Möglichkeit zusammenzuwachsen, das ist das Wichtigste,"

"Skandalbericht" als Moralinjektion
Wenn es für die Austria noch zusätzlicher Motivation bedurfte, dann kam diese durch die Gerüchte rund um den angeblichen "Skandalbericht" von Berater Otto Baric an Big-Boss Frank Stronach. Das sah auch Kapitän Ernst Dospel so, der vom besten Europacup-Auswärtsspiel seiner langjährigen Austria-Ära sprach.

"Nach den unverständlichen Gerüchten wollten wir es allen zeigen. Wir wollten beweisen, dass bei uns hervorragend gearbeitet wird. Die Mannschaft ist richtig zusammengerückt", so Dospel, der nach einem Ellbogencheck mehr als 50 Minuten mit gebrochener Nase weiterspielte und nach Schlusspfiff mit dicken Schwellungen mehr wie ein Preisboxer als wie ein ÖFB-Teamverteidiger aussah. Kommentar vom begeisterten Austria-Vize Rudas: "Ernst, jetzt hau ich dir vor dem jedem Spiel eine auf die Nase."

Das Ausscheiden im UEFA-Cup hat den Legia-Warschau-Trainer Dariusz Kubicki den Job gekostet. Kubicki wurde am Freitagabend von seiner Ablöse informiert, nachdem Klub-Eigentümer Jan Wejchert zuvor bereits den bisherigen Assistenzcoach Krzysztof Gawara und die Klub-"Ikone" Jacek Zielinski als neues Betreuer-Duo installiert hatte.

Große Freude bei Matchwinner Vachousek
Dospel und Co. stießen auf dem nächtlichen Heimflug mit Sekt und Bier an, Matchwinner Stepan Vachousek (ein Tor, ein Assist) fungierte als "Flugbegleiter" und servierte Getränke. "Das war mein bisher bestes Spiel für die Austria. Ich harmoniere mit Spielern wie Vastic oder Sionko hervorragend", freute sich der tschechische Teamkicker. Der polnische Austria-"Joker" Radoslaw Gilewicz hatte nach dem Erfolg in seiner Heimat gemischte Gefühle: "Irgendwie komisch. Aber wir wollten unbedingt weiterkommen."

Bei Legia steht nach dem Scheitern der bereits vor dem Rückspiel angezählte Trainer Dariusz Kubicki vor dem endgültigen Aus. Der polnische Ex-Teamspieler wehrte sich jedoch: "Es kann nicht in jedem Spiel um die Zukunft des Trainers gehen. Dieses Spiel darf nicht als Maßstab dienen, denn wir hatten viele verletzte Spieler." Die Kubführung des siebenfachen polnischen Meisters setzte jedoch unmittelbar nach dem Out gegen die Austria für Freitag eine Krisensitzung an. (apa)

2.10.2004 12:18