Samstag, 2. Oktober 2004

Nach Attacke eines Irren bei Olympischem Marathonlauf: Brasilien fordert Gold ein

  • Athlet Lima war von Geisteskranken behindert worden
  • Statt Goldener reichte es für Brasilianer nur für Bronze

Das Nationale Olympische Komitee Brasiliens (COB) hat beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne die nachträgliche Zuerkennung der Olympia-Goldmedaille im Marathon an ihren Athleten Vanderlei de Lima reklamiert. Der 35-Jährige war bei den 28. Sommerspielen in Athen rund sechs Kilometer vor dem Ziel als klar Führender vom ehemaligen irischen Priester Cornelius Horan kurzfristig attackiert und am Weiterlaufen gehindert worden, schließlich reichte es für Lima noch zu Bronze.

Schon am Tag nach dem Rennen hatte Brasiliens Regierung Gold für ihren Landsmann gefordert, dem war das Internationale Olympische Komitee (IOC) aber nicht nachgekommen. Stattdessen wurde Lima mit der "Pierre de Coubertin"-Medaille für besondere sportliche Fairness ausgezeichnet. Auf COB-Seite ließ man aber nicht locker und wandte sich an mit dem Ansinnen an den Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF). Da aber keine Antwort kam, blieb nur der Schritt zum CAS.

"Wir vertreten die Interessen des brasilianischen Sports und von Vanderlei selbst", erklärte COB-Präsident Carlos Arthur Nuzman am Freitag in Rio de Janeiro. "Da die IAAF geschwiegen hat, blieb uns keine ander Wahl." Für Nuzman ist klar, dass Olympiasieger Stefano Baldini seine Goldmedaille behalten soll, Lima dem Italiener aber gleich gestellt wird.

Lima wurde in Brasilien durch den Zwischenfall und seine Reaktion darauf zum Volksheld. Gegen Jahresende wird er mit dem 53-jährigen Polyvios Kossivas zusammen treffen, durch dessen Eingreifen er sich aus der Umklammerung Horans befreien konnte. Kossivas kommt auf COB-Einladung nach Brasilien und wird auch eine spezielle Auszeichnung erhalten. Horan hingegen wurde in Griechenland zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung sowie 3.000 Euro Geldstrafe verurteilt.
(apa)

2.10.2004 14:55