Auftakt zu Kerrys Aufholjagd ist geglückt: Demokrat nach TV-Duell wieder im Rennen
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Der Präsident hatte wohl gehofft, seinem Rivalen schon in der ersten Runde des rhetorischen Boxkampfes vorentscheidende Schläge verpassen zu können. Doch dafür erwies sich der Herausforderer als zu stark. In dem ersten von drei TV-Zweikämpfen um die US-Präsidentschaft sah sich George W. Bush in der Nacht auf Freitag stattdessen durch Treffer John Kerrys zeitweise gefährlich in die Defensive getrieben.
Hauptthema war die amerikanische Irak-Politik. Während Präsident Bush den Irak-Krieg als notwendig verteidigte, kritisierte Kerry das Vorgehen Bushs als "kolossalen Fehler" und forderte einen "neuen Anfang" mit starken internationalen Allianzen im Irak. Bei den Zuschauern kam Kerry dabei besser weg als der Amtsinhaber. Dies ergaben erste Umfragen.
Die erste von drei TV-Debatten vor der Präsidentenwahl am 2. November galt als die wichtigste, in der der in Umfragen bisher hinter Bush liegende Kerry die Chance hatte, das Ruder herumzureißen. Die 90 Minuten in der Sporthalle der Universität von Miami waren von kontroversen Stellungnahmen der Präsidentschaftskandidaten zum Irak-Krieg, zu Afghanistan, den Kampf gegen Terrorismus und weiteren außenpolitischen Themen wie der Haltung der USA zum Iran und zu Nordkorea geprägt.
Republikaner wie Demokraten beanspruchten nach der Debatte den Sieg für sich. Nach einer Gallup-Blitzumfrage konnte Kerry das Fernsehduell für sich gewinnen. 53 Prozent der Befragten fanden, dass Kerry sich am Donnerstagabend besser geschlagen habe als Bush. 37 Prozent gefiel der Präsident besser. 46 Prozent der Befragten haben nach der Debatte eine bessere Meinung von Kerry als davor; 21 Prozent sagten das über Bush. Glaubwürdiger fanden die Zuseher aber Bush. Auf die Frage, wer ist für den Job besser geeignet, antworteten 37 Prozent Kerry und 54 Prozent Bush.
Während Kerry nach Ansicht von ersten Kommentaren in US-Sendern "präsidiabel" und souverän wirkte, zeigte Bush einige Nervosität und verhaspelte sich manchmal. Bush, der zeitweise sichtlich missmutig und mit zusammen gekniffenen Lippen den Ausführungen Kerrys zuhörte, verteidigte die Invasion des Irak. Die USA hätten für den Irak-Krieg eine starke Koalition mit vielen Ländern, darunter Großbritannien, Polen und Australien gebildet. "Wir haben das Richtige im Irak getan", betonte Bush. Die USA brächten den Irakern Freiheit von Diktator Saddam Hussein und freie Wahlen. Kerry habe in der Irak-Frage immer wieder seine Positionen gewechselt, warf Bush seinem Herausforderer vor. In diesem Krieg dürfe man aber seine Positionen nicht wechseln. Als Senator von Massachusetts habe er sich durch sein wankelmütiges Abstimmungsverhalten zum Irak im Kongress als untauglich für den Kampf gegen den Terror erwiesen.
In der Debatte räumte Kerry ein, er habe nicht immer eine glückliche Figur beim Thema Irak gemacht, griff seinen Konkurrenten jedoch gleichzeitig an: "Ich habe einen Fehler dabei begangen, wie ich über den Krieg gesprochen habe. Aber der Präsident hat einen Fehler gemacht, indem er die Invasion des Irak veranlasste. Welcher wiegt schwerer?" Die USA trügen heute "90 Prozent der Verluste und 90 Prozent der Kosten", so Kerry. Zudem habe es keinen realistischen Plan für die Nachkriegszeit gegeben.
Kerry verwies erneut auf seine eigene Kampf-Erfahrung im Vietnam-Krieg, daher würde er Krieg nur als letztes Mittel einsetzen. Al-Kaida-Chef Osama bin Laden nutze den Irak-Krieg, um den USA einen "Angriff auf den Islam" vorzuwerfen und Hass gegen die USA zu verbreiten. Als Präsident werde er mehr internationale Unterstützung für die USA sammeln und einen "intelligenteren Krieg gegen den Terrorismus" führen. Den amerikanischen Soldaten im Irak rief Kerry zu: "Hilfe ist unterwegs".
Die größte Bedrohung für die USA ist nach Ansicht von Kerry die Weiterverbreitung nuklearer Waffen, nach Ansicht von Bush die Weiterverbreitung nuklearer Waffen an Terroristen. Kerry warf Bush eine verfehlte Politik gegenüber Nordkorea und dem Iran vor, und warnte vor der nuklearen Aufrüstung in diesen Ländern, die während Bushs Regierung geschehe.
Bush wies Kerrys Vorwürfe zurück, ihm mangle es an Führungskraft. Er verwies auf seine Erfahrung als Staatschef und sagte: "Das amerikanische Volk weiß, dass ich weiß, wie man führt."
Die Debatte wurde landesweit von Fernsehsendern übertragen. Bis zu 50 Millionen Zuseher verfolgten die Diskussion. Zwei weitere Präsidentschaftsdebatten - am 8. und 13. Oktober - sowie eine Konfrontation von Vizepräsident Dick Cheney und Senator John Edwards werden vor den Wahlen am 2. November noch folgen.
.(apa)
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