Freitag, 1. Oktober 2004

Schröder verteidigt Putin: Seine Politik sei "der richtige Weg" zu mehr Sicherheit

  • Verhältnis zu US-Regierung zurückhaltend beurteilt

Mit Blick auf internationale Kritik an Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) deutlicher als bisher hinter die Politik der russischen Regierung gestellt. Putins Politik sei "der richtige Weg", sagte Schröder in einer deutschen Tageszeitung.

Der vom russischen Präsidenten eingeschlagene Kurs führe zu "innerer und äußerer Sicherheit" und werde von ihm solidarisch mitgetragen. Vorhaltungen, er sei gegenüber der Politik Putins zu verständnisvoll, wies der Kanzler zurück. "Ich habe nicht die Absicht, die Russland-Politik der Bundesregierung zu ändern", stellte er in der "Süddeutschen Zeitung" klar.

Schröder ermunterte die deutsche Wirtschaft, gerade auf dem Energiesektor weiter "bevorzugter Partner" Russlands zu bleiben. Das sei umso wichtiger, je instabiler andere Weltgegenden würden. Die Versorgung Deutschlands mit russischem Gas werde in den nächsten Jahren von jetzt 30 auf 40 Prozent wachsen.

Etwas zurückhaltender als die Partnerschaft mit Russland beurteilt der Kanzler dem Bericht zufolge das Bündnis mit den Amerikanern. Angesprochen auf das getrübte Verhältnis zu US-Präsident George W. Bush und den regierenden Republikanern sagte Schröder: "Das muss ich hinnehmen. Denn es hat mit den unterschiedlichen Auffassungen über die Sinnhaftigkeit des Irak-Krieges zu tun." Bei aller "neokonservativer Ideologie" in Washington gebe es aber viele gemeinsame Werte zwischen Deutschland und Amerika und eine gewachsene "Substanz von Demokratie". Auch in Washington wachse die Erkenntnis, dass Amerika einen Krieg zwar allein gewinnen könne, "dass man aber Partner braucht, um den Frieden herzustellen".(apa/red)

1.10.2004 23:04