Freitag, 1. Oktober 2004

Gegen Widerstand der katholischen Kirche: Homosexuelle dürfen in Spanien heiraten

  • Sozialistische Regierung beschließt Gesetzesentwurf
  • Bischofskonferenz: "Familie wird zerstört"

Begleitet vom Protest der katholischen Kirche hat die spanische Regierung am Freitag einen Gesetzesentwurf zur Einführung homosexueller Ehen verabschiedet. Gleichgeschlechtliche Paare sollen danach die gleichen Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Ehen erhalten und auch Kinder adoptieren dürfen.

"Heute ist ein großer Tag für die Millionen Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung bisher diskriminiert worden sind", sagte Vize-Regierungschefin María Teresa Fernández de la Vega nach der Kabinettssitzung in Madrid.

Die Bischofskonferenz warf der sozialistischen Regierung vor, die Familie zu zerstören. "Von der Bedeutung der Ehe bleibt nichts übrig", kritisierte ein Sprecher. Die konservative Volkspartei (PP) hielt den Sozialisten vor, "nur für eine Minderheit zu regieren". Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hatte dagegen erklärt, Homosexuelle dürften nicht länger "Bürger zweiter Klasse" sein. "Auch sie müssen das Recht haben, eine Familie zu gründen." Schwulen- und Lesbenverbände würdigten die Entscheidung als großen Schritt im Kampf für Menschenrechte.

Das Vorhaben der spanischen Regierung muss noch vom Parlament gebilligt werden. Justizminister Juan Fernando López Aguilar hofft, dass das Gesetz Anfang nächsten Jahres in Kraft treten werde. Eine solche weitgehende Regelung gibt es bisher nur in den Niederlanden. In Belgien sind homosexuelle Eheschließungen ebenfalls legalisiert, allerdings ist über die Frage der Adoption von Kindern noch nicht entschieden worden. In Deutschland und den skandinavischen Ländern können homosexuelle Paare ihre Partnerschaft amtlich eintragen lassen, aber keine Kinder adoptieren.

Laut Presseberichten warten in Spanien bereits mehr als 100.000 homosexuelle Paare darauf, möglichst bald heiraten zu dürfen.(apa/red)

1.10.2004 17:21