Auffanglager für Flüchtlinge in Nordafrika: Für EU ist das Projekt vorerst vom Tisch
- Ländern wird beim Aufbau eigener Asylsysteme geholfen
- Wieder hunderte Flüchtlinge auf Lampedusa gelandet
Die EU will gegen illegale Einwanderung stärker mit anderen Mittelmeerländern zusammenarbeiten, streitet aber über Asylanträge in Auffangeinrichtungen in Nordafrika. Der deutsche Innenminister Otto Schily (SPD) stieß bei einem Treffen mit seinen EU-Kollegen am Freitag im niederländischen Scheveningen mit seinem Vorschlag auf Widerstand, dass Asylbewerber auch in Auffanglagern in Nordafrika Asylanträge stellen sollen.
Schily sagte, weil es sich dabei um ein freiwilliges Angebot der EU handeln würde, könnten andere Rechtswege außerhalb der Gerichte gelten als bei Verfahren innerhalb der EU. Er rief die EU auf, gemeinsam zu handeln. "Wir wollen die Entscheidung treffen, wer zu uns kommt - nicht die Schleuser."
Schily gelang es bei dem informellen Treffen in dem niederländischen Seebad offenbar, einige Vorbehalte gegen seinen Vorschlag auszuräumen. Die schwedische Migrationsministerin Babro Holmberg sagte, sie sei beruhigt, dass niemand Flüchtlinge aus der EU zur Bearbeitung ihrer Asylanträge in andere Länder schicken wolle. Sie lehnte aber Schilys Vorschlag ab, in Nordafrika über Asylanträge zu entscheiden. Auch Frankreichs Innenminister Dominique de Villepin sagte, er wolle keine Flüchtlingslager zur dauerhaften Aufnahme von Menschen in Nordafrika.
In einem ersten Schritt will die EU-Kommission in Pilotprojekten mit fünf Mittelmeeranrainern die Zusammenarbeit verbessern, um die Einhaltung internationaler Standards beim Umgang mit Flüchtlingen zu erreichen. Mauretanien, Tunesien, Libyen, Algerien und Marokko sind als Partner vorgesehen. Innenkommissar Antonio Vitorino sagte, dafür müssten diese Länder alle die Genfer Flüchtlingskonvention ratifizieren, was Libyen nicht getan hat.
Hunderte Flüchtlinge auf Lampedusa gelandet
Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind unterdessen am Freitag wieder vier Boote mit insgesamt rund 400 illegalen Einwanderern gelandet. Wie die Behörden mitteilten, kamen damit innerhalb von 24 Stunden rund 800 Flüchtlinge auf der kleinen Insel an, die näher bei Afrika als bei Italien liegt. Die zuletzt eingetroffenen Menschen kommen zumeist aus Palästina, Marokko, dem Sudan und Pakistan. Es seien vorwiegend Männer. Nach italienischen Angaben kamen die Boote alle aus Libyen.(apa/red)
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